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Von drogensüchtigen Fotografen und schrägen Hochzeitsfotos

Heute Vormittag war ich beim Fotografen, um Passbilder machen zu lassen, die ich u.a. für meine Bahncard brauche. Dort war es überraschend voll, als hätte man ein Casting für eine neue RTL-Show ausgerufen. Ich sollte im ersten Stock warten, was ich dann auch leicht säuerlich tat. Ich bin immerhin wichtig, berufstätig und chronisch im Stress. Dort oben hingen allerlei Fotos, die wohl zeigen sollten, wie talentiert der hauseigene Fotograf doch ist. Ins Auge wie eine heiße Nadel stießen mir die zahlreichen Hochzeitsfotos. Das lag vielleicht daran, dass alle nach dem gleichen Schema aufgenommen wurden, nur die Personen waren jeweils andere. Zu einem Brautpaar gehörten immer vier Fotos.

Auf dem einen stand die Braut ein paar Stufen über dem Ehemann, der devot nach oben schaute, also quasi Rollentausch. Foto Nummer zwei zeigte den wollüstigen Hochzeitskuss und Foto Nummer drei das zärtliche Anschmachten bei vorsichtigem Händchenhalten, da will ja niemand was kaputt machen. Mein Highlight war aber jeweils Nummer vier, das an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten ist. Die Braut steht vor einer Säule, während der Mann von rechts rumschaut. Die Kerle haben auf den Fotos dabei immer diesen „Hoppala, was hab ich denn hier gefunden? Das ist ja meine Frau, wie kommt die denn hier her?“-Gesichtsausdruck drauf. Gleichzeitig ein „Hach, wenn ich sie nicht gerade schon geheiratet hätte, würde ich es sicher jetzt tun“. Herrlich. Ganz großes Kino. Ich frage mich, ob die Brautpaare oder der Fotograf unter Drogeneinfluss standen. Immerhin, meine Passfotos sind klasse geworden, was aber wohl mehr am Motiv als an den Fähigkeiten des Fotografen liegt.

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