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Almost Heaven

Almost Heaven

Dem deutschen Kino wird oft eine Krise angedichtet. Nach einer großen Komödienschwemme kamen zahlreiche Filme über die deutsche Vergangenheit. Umso mehr sollte man sich darüber freuen, wenn sich jemand bemüht eine Geschichte abseits des Üblichen zu erzählen und dabei eben auch ein gewisses Risiko einzugehen. Almost Heaven wird es aufgrund der etwas eigenartigen Mischung aus Road-Movie und Tragik-Komödie unterlegt mit Klängen aus Country und Reggae sicherlich nicht leicht haben, doch ich drücke bei dem mutigen Versuch die Daumen.

Die totkranke Helen (Heike Makatsch) hat einen letzten Traum. Einmal im legendären Bluebird Cafe in Nashville, dem Mekka der Country-Musik, auftreten. Entgegen des Rates ihres Mannes (Wotan Wilke Möhring) begibt sie sich auf den Weg nach Nashville. Durch eine dumme Verwechslung landet Helen jedoch mit Gitarre, Cowboyhut und Westernstiefeln ausgerechnet im Epizentrum des Reggae: Jamaika. Dort lernt sie unter widrigen Umständen die Trickbetrügerin Rosie (Nikki Amuka-Bird) kennen. Aus den beiden wird eine Zweckgemeinschaft, um ans andere Ende der Insel zu kommen. Durch Rosies Schuld verliert Helen ihre geliebte Gitarre und auch das komplette Geld. Als letzten Ausweg heuert sie in einem Touri-Zentrum an und tritt mit einer alten Reggae-Band an, um Country-Songs zur Belustigung der Gäste zum Besten zu geben. Und ohne es zu wissen, ist Helen dann doch dort, wo sie eigentlich hin wollte: Sie hat sich selbst und ihr Glück gefunden.

Die Geschichte wird bei aller durchaus vorhandener Tragik stets mit einem Augenzwinkern erzählt und macht gerade in den schönen Sommermonaten viel Spaß.

Ich gebe zu, hätte mir vorab jemand erzählt, dass ich in einem Film Cowboystiefel, Rastzöpfe, Heike Makatsch und eine Mischung aus Country und Reggae erleben würde, ich wäre schreiend davon gelaufen. Umso überraschter war ich, dass so etwas tatsächlich funktionieren und unterhalten kann. In Almost Heaven geht es um eine merkwürdige Freunschaft zwischen zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und um die komplizierte Suche nach dem eigenen Glück. Und genau dies vermag Regisseur Ed Herzog interessant zu erzählen. Witzig ist dabei, dass er offenbar viel selbst auf einer Jamaika-Reise Erlebtes verarbeitet hat. So wurde er selbst vor Jahren in einen falschen Bus gesetzt mit einem gefälschten Ticket. Die Erzählweise spiegelt somit auch seine eigenen Erlebnisse auf der Insel wieder, die zunächst ihre dreckige Seite zeigt, um zum Ende in voller Schönheit zu glänzen.

Die Besetzung des Filmes kann man als gelungen bezeichnen. Heike Makatsch war nach ihrer Performance in Männerpension erste Wahl für die Rolle der Country-Sängerin. Für die Rolle der Rosie, die am schwierigsten zu besetzen war, fand man einen seht guten Kompromiss. In den Nebenrollen überzeugen gute deutsche Schauspieler wie Wotan Wilke Möhring (Experiment, Anatomie 2) und der charismatische Michael Gwisdek (Barfuss, Kleinruppin Forever). Um den Flair des Filmes zu treffen wurden auch zwei in Jamaica sehr bekannte Personen in Nebenrollen gecastet, wie zum Beispiel der Musiker Shervin im Film, der auf Jamaika bekannt ist wie ein bunter Hund. Passend zum Film kommt auch der Soundtrack als Country-Reggae-Crossover mit unter anderem Gentleman und Patrice rüber.

Insgesamt also gute Unterhaltung aus Deutschland, der ich dann rückblickend auch den sehr lahmen Einstieg verzeihe. Die Geschichte wird bei aller durchaus vorhandener Tragik stets mit einem Augenzwinkern erzählt und macht gerade in den schönen Sommermonaten viel Spaß. Das schöne Ende lässt einen dann auch mit einem guten Gefühl das Kino verlassen mit einem leise gesummten „Country Roads“ auf den Lippen.

Fazit: Unterhaltsames Road-Movie in einem erfrischend unverbrauchten Szenario.

Rating:

★★★★★☆☆☆☆☆

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