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Batman Begins

Batman Begins

Der Titel des Films mutet etwas eigenartig an, wenn man bedenkt, dass es sich dabei bereits um die fünfte Verfilmung des Rächers aus Gotham City handelt. Wenn man den Film gesehen hat, wird man spätestens verstehen, dass dieser Film ein echter Neubeginn ist und gleichzeitig auch die erste adäquate Umsetzung dieses Stoffes. Die Comicvorlage ist düster und Batman eher ein unheimlicher Held, der angetrieben wird von Rache und dem Wunsch aller Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen. Nach dem letzten und ebenso schlechten wie bunten Versuch von Joel Schumacher setzte man mit Christopher Nolan einen relativ jungen Mann auf den Platz des Regisseurs. Seine Vision von Batman war wie schon bei Tim Burton eine eher düstere Version.

In Batman Begins erfahren wir sehr viel über die Motivation von Bruce Wayne und darüber, wie er letztlich der furchtlose Rächer von Gotham City wurde. Diese Story ist zwar aus den Comics bekannt, wurde aber in den bisherigen Filmen nur am Rande behandelt. Dadurch bekommt Bruce Wayne jetzt ein echtes Profil. Er ist eigentlich ein gebrochener Mann, der einen Weg aus seiner persönlichen Krise sucht, dabei aber eigentlich ein ganz normaler Mann ist. Gewisse Parallelen zum ersten Spiderman lassen sich hier nicht leugnen. So wird es vielleicht auch einige stören, dass man Batman selbst auch erst in der zweiten Hälfte des Films zu sehen bekommt.

Was Batman so stark macht gegenüber anderen Helden ist eine Verwundbarkeit und daher war Batman für mich auch immer die interessanteste Figur von allen.

Für eine Comicverfilmung ist Batman Begins sogar relativ komplex und hat eine gut ausgearbeitete Story. Obwohl hier der richtig fiese Bösewicht vom Format eines Jokers oder Two-Face fehlt, die gewählte Lösung hat mir gut gefallen und sorgte sogar für eine kleine Überraschung. Und spätestens, wenn Batman endlich sein Cape überstreift, kommt jeder auf seine Kosten. Gotham City, eine Mischung aus glänzender Metropole und schmutzigem Slum, ist beeindruckend. Genau die richtige Spielwiese für Batman. Überhaupt passt das ganze Setting. Unter dem riesigen Wayne-Anwesen ist eine echte Bathöhle, die ganze Ausstattung Batmans wirkt weniger futuristisch und eher militärisch. Dadurch wirkt alles ein Stück weit realer. Zwischenzeitlich fragt man sich schon mal, warum in Gotham eigentlich nie richtig die Sonne scheint, aber der Film wirkt dadurch so richtig düster.

Christian Bale ist ein Traum als Bruce Wayne/Batman, keiner seiner Vorgänger wirkte so überzeugend. An seiner Seite steht als witziger Sidekick Sir Michael Caine als treuer Butler Alfred. Die Dialoge zwischen Bruce und Alfred sorgen für viel spritzigen Witz. Gary Oldman taucht als Sergeant Gordon auf. Und auch in den weiteren Nebenrollen sehen wir nur glänzende Figuren wie Morgan Freeman, Liam Neeson, Rutger Hauer oder Ken Watanabe. Und diese sind wurden nicht nur gut ausgewählt, sondern ganz gegen ihre eigentliche Karriere eingesetzt. Gary Oldman darf endlich mal wieder eine richtig nette Person spielen, Liam Neeson gibt sich eher zwielichtig. Einzig Katie Holmes wirkte auf mich etwas deplaziert, die Rolle der toughen Staatsanwältin hat ihr vermutlich nur Tom Cruise abgekauft.

Was Batman so stark macht gegenüber anderen Helden ist eine Verwundbarkeit und daher war Batman für mich auch immer die interessanteste Figur von allen. Er hat nicht nur Probleme mit sich selbst und seiner Identität, er muss auch noch extrem viel einstecken. Und genau das kommt in Batman Begins so gut rüber. Er ist keine Überfigur, sondern ein Mensch auf Fleisch und Blut, der viel leiden muss. Was aber nicht bedeutet, dass Batman nicht fleißig austeilen darf. Denn in der zweiten Hälfte steht die Action im Vordergrund und dann wird auch richtig aufgedreht. Verfolgungsjagden mit dem inzwischen sehr coolen Batmobil, gut choreographierte Schlägereien und atemberaubende Stunts in den gigantischen Häuserschluchten.

Batman Begins ist mehr als eine Comicumsetzung, es ist auch ein kleines, durchaus intelligentes Charakter-Drama und legt die Messlatte für Comicverfilmungen ein Stück weit höher. Mein bisheriger Favorit Spiderman muss sich nun mit Platz zwei zufrieden geben und dem dunklen Ritter Platz machen.

Fazit: Besser kann man eine Comicvorlage nicht umsetzen. Intelligent, extrem gut besetzt und für echte Batman-Fans sowieso ein Muss.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

6 Kommentare zu “Batman Begins

  1. kann da mal nur beipflichten, der film steckt alle vorgänger so mal locker und lässig in die tasche…da wünscht man sich fast das dieses team die anderen filme neu schreibt und verfilmt 🙂

    es gibt eigentlich nichts was gegen den film spricht, die einzigen ungereimtheiten die mir aufgefallen sind sind:

    @ batmans stimme ist etwas übertrieben verzerrt, was ich aber rein auf die synchronisation schiebe

    @ alfred hätte nie verdammt gesagt 😉

    fazit: ANSCHAUEN ANSCHAUEN ANSCHAUEN 🙂

  2. Naaaja. Wie man es sieht. Ich finde die ersten beiden Batman Filme einfach am besten. Sie überzeugen durch die durchgängige Dunkelheit und die beklemmende Atmosphäre, die Michael Keaton der Rolle vermittelt. Und die Handschrift von Tim Burton ist nicht zu übersehen. Wären die ersten Teile ein Comic, dann hätte sie Frank Miller gezeichnet. Das trifft meine Definition des „dunklen Ritters“ zu 100%.

    Bale ist einfach DER Charakterdarsteller, im Moment. „American Psyco“ wäre ohne ihn nur ein weiterer Flop der Filmgeschichte. Seine Leistung in „The Mashinist“ zeigt, das er mehr drauf hat. Ob er in „Batman Begins“ alles gegeben hat wage ich zu bezweifeln.
    Batman ist und bleibt eben für die breite Masse an Zuschauern bestimmt und muss dann auch so wirken. Hollywood geht eben selten Risiken ein, wenn es um potenzielle Geldquellen geht.

    Sehenswert ist er alle mal! Aber leider, mal wieder, nicht perfekt. 😉

  3. @matiss: ich hab den Film hier in London im Original gesehen. Alfred hat da nicht ‚verdammt‘ gesagt – das einzige Schimpfwort, was ihm über die Lippen kam, war „the bloody log“, als er den brennenden Balken entfernen wollte, unter dem Bruce eingekeilt war. Ansonsten war Michael Caines Londoner Cockney Akzent absolut gigantisch, im Gegensatz zu all dem viel weicherem amerikanischem Englisch. Definitiv die beste Batman Verfilmung überhaupt – hätte doch bloß Tim Burton schon so angefangen. Ich bin ja immer noch der Überzeugung, man sollte Frank Millers ‚Return of the Dark Knight‘ verfilmen – Miller hat das beste Storyboard überhaupt geliefert.

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