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Das Kino vor dem Aus

GeschlossenIn einem recht interessanten Artikel ruft der SpOn den Untergang des Kinos aus. Die DVD läuft der großen Leinwand den Rang ab, die Zukunft heißt gleichzeitige Veröffentlichung in allen Medien (Kino, DVD, TV) und da kann das Kino nur verlieren.

So interessant das Ganze auch sein mag, ich kann mich diesem Gedanken weder anfreunden noch anschließen. Es ist sicherlich richtig, dass die DVD-Branche boomt und die Produktionskosten durch das Kino allein nicht gedeckt werden. Nur ist es falsch anzunehmen, dass man bei einem Wegfall des Kinos automatisch noch viel mehr DVDs verkaufen kann. Denn viele Leute, die einen Film im Kino genossen haben, kaufen später auch die DVD, nur um die eigene Sammlung zu vervollständigen oder um das Erlebnis auch noch mal in die eigenen vier Wände zu holen.

Dem Gedanken von Regisseur Steven Soderbergh, dass gerade kleine, anspruchsvolle Filme von einem gleichzeitigen DVD-Release profitieren würden, kann ich mich hingegen anschließen. Zu schwer ist es doch schon heute, anspruchsvolle Filme im zu sehen. Viele von den Filmen, die mir dieses Jahr besonders gefallen haben, konnte ich nur unter großen Anstrengungen sehen, wie zum Beispiel Hotel Ruanda, Das Haus aus Sand und Nebel, Lieber Frankie oder auch Garden State. In den Multiplexen laufen – möglichst in doppelter Ausführung – niveaulose Schenkelklopfer im Stile von Babynator oder Erkan & Stefan. Gerade Leute, die den etwas anspruchsvollen Film bevorzugen, würde ich eher im Lager der regelmäßigen DVD-Käufer erwarten.

Meine eigene Prognose ist, dass der Zeitraum zwischen Kino-Premiere und DVD-Release auf wenige Wochen schrumpfen wird, aber einen gleichzeitigen Release auf breiter Front halte ich für extrem unwahrscheinlich, dafür sind die Studios auch zu stark auf die Einnahmen aus den Kinos angewiesen. Nach zwei bis vier Monaten sind die Besucherzahlen dann sowieso eher mau bzw. der Film schon nicht mehr im Kinoprogramm und dann macht der Release auch Sinn. Letztlich sind die Studios selbst entscheidend verantwortlich. Für einen wirklich guten Film geht man auch gerne ins Kino. Bei der heute zahlreich verabreichten Durchschnittsware kann ich jedoch auch locker ein halbes Jahr auf den DVD-Release warten oder ggfs. auf die TV-Premiere.

Ein Kommentar zu “Das Kino vor dem Aus

  1. …aber leider lässt der durchschnittliche DVD-Release auch zu wünschen übrig. Kein O-Ton, ein hoher Preis, wenige oder minderwertige Extras und schlechte Qualität schrecken den Kenner entweder ab oder lassen ihn zu einer qualitativ hochwertigeren Importversion greifen, was ebenfalls schlecht für den deutsch/europäischen Markt ist, da dadurch eine Marktverschiebung auftritt, die wiederum für falsche Statistiken sorgt.
    Was sich letztendlich durchsetzt steht wohl fest. Fast jeder kann sich heut zu Tage ein gutes Homecinema System leisten. Und da haben wir auch schon die Antwort. Zuhause ist es doch am schönsten.
    Was ich befürchte ist, dass dadurch jedoch die kleineren Produktionen ebenfalls zu kurz kommen. Hollywood hat im Heimbereich leider auch die Nase vorne.

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