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Garden State

Garden State

Für die richtig guten Filme in diesem Jahr musste ich durchweg das kleine Kino um die Ecke aufsuchen. Ein Trauerspiel, dass so Perlen wie Das Meer in mir, Das Haus aus Sand und Nebel oder Sideways beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt werden. Aber dann zeigt man dem Multiplex eben die kalte Schulter und flegelt sich in die weniger bequemen Stühle und genießt dafür den deutlich besseren Film, so wie heute eben Garden State von und mit Zach Braff.

Andrew Largema (Zach Braff) führt ein Leben im Wachkoma. Seit seiner Kindheit wird er mit Antidepressive zugestopft, die er von seinem Vater (Ian Holm) verschrieben bekommen hat. Er nimmt seine Umwelt nur noch wie durch eine Milchglasscheibe wahr, Gefühle werden im Keim erstickt. Seine Schauspielkarriere liegt bracht, sein Geld verdient er in einem vietnamesischen Restaurant. Der Tod seiner Mutter ist der Anlass, nach neun Jahren wieder seinen Heimatort aufzusuchen. Aus einem kurzen Besuch wird durch zahlreiche Begegnung nicht nur ein längerer. Er trifft viele Freunde und auch die liebevolle Dauer-Lügnerin Sam (Natalie Portman). Für Andrew scheint dies das Ende einer sehr langen Reise zu sein. Das lange verloren geglaubte Leben ist wieder da.

Wer kann schon einen Freund vorweisen, der steinreich damit wurde, weil er den lautlosen Klettverschluss erfunden hat?

Garden State erzählt uns auf amüsante und gleichsam tragische Weise von der Suche einer verlorenen Person. Wir sehen Andrew zunächst zugedröhnt bis in die Haarspitzen, nicht mal der Tod seiner Mutter weckt die leiseste Reaktion in ihm. Die ganze Anfangssequenz, die man quasi aus der Sicht Andrews sieht, ist ebenso originell wie tragisch. Andrews Leben beginnt eigentlich erst mit der Beerdigung und dem Zurücklassen der Medikamente in Los Angeles. Wenn er das erste Mal seine alten Freunde wieder trifft und endlich sein Leben führt und genießt. Und genau dies bringt Zach Braff sehr gut rüber. Vielleicht war es auch gut, dass ich bis dato Scrubs nicht gesehen habe und dazu keine Verbindung herstellen konnte und das Gesicht für mich noch unverbraucht war.

Die Initialzündung ist natürlich das Kennenlernen von Sam. Auch wenn man eigentlich nichts über sie erfährt, sie scheint genau die Richtige für Andrew zu sein. Liebevoll, attraktiv und mit dem Gewissen Charme nimmt sie nicht nur in Andrews Herz schnell ein großes Stück ein. Natalie Portman ist genau die richtige für diese Figur. Wie schon in Closer macht sie ihre Aufgabe wieder sehr gut und überzeugt auf der ganzen Linie. Gleiches gilt für Ian Holm, der Andrews Vater spielt, auch wenn dieser nur eine sehr kleine Rolle hat. Seine Darstellung des distanzierten und eher kalten Vaters war glaubhaft.

Garden State hat auch sehr viele witzige Momente. Dies ist bei den zahlreichen abgedrehten Figuren auch gar kein Wunder. Wer kann schon einen Freund vorweisen, der steinreich damit wurde, weil er den lautlosen Klettverschluss erfunden hat? Wo trifft man morgens Müslifutternde Ritter in Blech-Rüstung? In Garden State ziehen sich solche Skurrilitäten durch den ganzen Film, dabei wird aber stets die Balance zwischen Komödie und Drama gehalten. Ebenfalls ein Glanzstück ist der geniale Soundtrack mit sehr vielen melancholischen Songs. Stellvertretend seien hier nur mal Frou Frou – Let Go und Zero 7 – In the waiting line genannt. Die Musik ist sehr gut gewählt und unterstreicht jederzeit die Stimmung im Film.

Zach Braff muss man schon ein dickes Kompliment aussprechen. Er ist bei Garden State Hauptdarsteller, Produzent, Drehbuchschreiber und Regisseur. Und trotz der Mehrfachbelastung ist es erstaunlich, was er da ins Kino gebracht hat. Eines dieser Erstlingswerke, die man so schnell nicht vergessen wird.

Fazit: Ehrliche, amüsante und tragische Suche nach dem eigenen Leben.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

7 Kommentare zu “Garden State

  1. Ich werde mir den antun und wenn der genauso übel ist wie Lost in Translation, der bei dir auch so eine abstruse Traumnote bekam, werde ich die Kritiken hier ignorieren!

    Kritiker sollen schließlich die Macher der Filme, Schauspieler und sonstige auf die Palme bringen, nicht aber die, die anhand dieser versuchen herauszufinden ob ein Film möglicherweise sehenswert sein könnte.

  2. Ich glaube nun, man muss sehr viel Hollywood-Einerlei gesehen haben, um sich nach solchen Filmen zu sehnen. Solange ich also nicht 2x die Woche ins Kino renne, werde ich auch in Zukunft als gute Filme gepriesene Programmkinostreifen meiden und City Cobra 2 oder Conan 3 den Vorzug geben.

    Langsam glaube ich jedenfalls da steht Note, gemeint sind aber Punkte …

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