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Barfuss

Barfuss

Til Schweiger stieß vor einiger Zeit in den USA auf das Drehbuch Barefoot und war sofort fasziniert von der gleichfalls romantischen wie komischen Geschichte um eine merkwürdige Liebe. Er kaufte die Rechte am Drehbuch und brachte den Film Barfuss als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion in die Kinos. Da verzeihe ich gerne den Rechtschreibfehler beim Titel, denn der Verleih nennt den Film fälschlicher Weise Barfuss, was zumindest, sofern ich keine neuerliche Rechtschreibreform verpasst habe, schlicht falsch ist. Aber das hat ja nichts mit der Qualität des Filmes als solchem zu tun.

Nick Keller (Til Schweiger) steht am Abgrund und nimmt einen Job als Putzmann in einer Psychiatrie an. Seine Familie hält ihn ohnehin für einen Versager und er selbst ist sich auch nicht mehr so sicher, ob da nicht vielleicht ein Quäntchen Wahrheit an der Einschätzung dran ist. Als er seinen Job wieder verloren hat, rettet er in letzter Sekunde der Patientin Leila (Johanna Wokalek) das Leben, als diese sich umbringen will. Leilas Dankbarkeit kennt keine Grenzen. Sie folgt ihrem Retter und will nicht mehr von seiner Seite weichen, und das eben barfuß und nur mit einem Nachthemd bekleidet. Nick wird Leila nicht mehr los und das passiert ausgerechnet ihm, jemandem, der in seinem ganzen Leben noch keine Verantwortung übernommen hat. So begeben sich die beiden als ungleiches Paar auf eine spannende Reise, die Leila mit großen kullernden Kinderaugen erlebt. Am Ende ist nichts mehr so, wie es vorher mal war.

Barfuß stellt beeindruckend die Frage, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.

Barfuß stellt beeindruckend die Frage, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen. Und das auf eine sehr schöne Art und Weise, die charmant daher kommt, ohne kitschig zu werden. Die beiden Hauptdarsteller harmonieren großartig zusammen und insbesondere Johanna Wokaleks Darstellung als naive Leila ist eine Augenweide und tut dem Herz ähnlich gut, wie Wasser einer vertrockneten Pflanze. Wenn sie spielerisch und mit großen Augen die Welt entdeckt, dann kann man sie einfach nur lieb haben. Aber auch Til Schweiger gefiel mit sehr gut als späteinsichtiger Romantiker. Wenn er der kalten Psychologin gegenüber sitzt und ihr sein Herz ausschüttet, dann glaubt man ihm diese Darstellung durchaus.

Sehr schön auch der Look der Sets, man weiß oft vor lauter alten Autos und Telefonen mit Wählscheiben gar nicht, zu welcher Zeit der Film eigentlich spielt. Sieht irgendwie cool aus und gibt dem Film auch einen gewissen Charme. Die Pointen zünden über weite Strecken, in kleinen Nebenrollen sind viele deutsche „Stars“ zu sehen, die man so vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte, sehr schön zum Beispiel Markus Maria Profitlich als zwielichtiger Gebrauchtwagenhändler. Einziger wirklicher Schwachpunkt ist vielleicht, dass der Film zu viel will. Mir hätte die wunderschöne Romanze allein schon gereicht, aber es kommt ja auch noch ein Schuss Drama, Roadmovie und Komödie dazu. Dennoch sehr gelungene Kinokost aus Deutschland und das mal nicht aus dem Nazi-Genre.

Fazit: Zwei wundervolle Darsteller überzeugen in einer sehr schönen Liebesgeschichte.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

Ein Kommentar zu “Barfuss

  1. Sehr schöne Kritik und trifft es sehr gut. Hab gerade mal so aus Spaß barfss und barfuß bei Word eingegeben. Bei barfuß meckert Word und barfuss schluckt er, schon komisch, da man Fuß ja immer noch mit ß schreibt, weiß auch nicht welche geheime grammatikalische Regel da mit im Spiel ist *grins*

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