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Million Dollar Baby

Million Dollar Baby

Mein persönlicher Film des Jahres 2004 war Mystic River. Million Dollar Baby, der neue Film von Clint Eastwood war dann auch mein Hoffnungsträger für das Kinojahr 2005. Ich habe mich bewusst vor dem Film von sämtlichen Reviews, Diskussionen, Interviews und Berichten fern gehalten, um nichts über die Story zu erfahren, ich kannte lediglich den Trailer. Denn Mystic River hat perfekt gezeigt, was die Stärke von Eastwood ist. Eine Geschichte sachte und ruhig zu erzählen, den Focus auf die Darsteller zu legen und nur langsam den Blick auf das große Ganze freizugeben. So werde ich auch versuchen, diese Kritik weitestgehend Spoilerfrei zu halten, denn hier zu viel zu verraten wäre ein Sakrileg.

Der vom Leben gezeichnete Boxtrainer Frankie Dunn (Clint Eastwood) hat sein ganzes Leben lang am Boxring gestanden. Er war Trainer, Manager und ein Meister darin, angeschlagene Boxer schnell wieder zusammen zu flicken. Er lebt abseits von anderen Menschen, nicht zuletzt, da seine eigene Tochter sich vor Jahren von ihm losgesagt hat, was ihm nachhaltig zu schaffen macht. Sein einziger verbleibender Freund ist Ex-Boxer Scrap (Morgan Freeman). Eines Tages schneit die junge Boxerin Maggie Fitzgerald (Hillary Swank) in Frankies Boxclub rein und will von Frankie trainiert werden. Sie lässt sich vom grantigen alten Mann nicht abwimmeln, denn sie weiß genau was sie will. Nach ganz oben und zwar mir Frankies Hilfe. Was als Zweckgemeinschaft beginnt entwickelt sich zu einer tiefen Freundschaft, die im Verlauf des Films auf eine haushohe Prüfung gestellt wird.

Ich könnte es jetzt kurz machen und das Kinojahr 2005 für beendet erklären. Es wird dieses Jahr kein Film mehr in die Kinos kommen, der an Million Dollar Baby vorbei kommen wird. Dabei hat sich Clint Eastwood eigentlich eine recht banale und zuweilen auch sehr klischeeträchtige Geschichte ausgesucht. Die kleine Maggie mit der runter gekommenen Familie aus dem Trailer-Park, die aus der nächsten Talkshow stammen könnte, ihr Job als Kellnerin und der dazu passende Dialekt sind schon zu tragisch, um Ernst genommen werden zu können. Aber es gehört auch schon eine Portion Mut dazu, dem glamourösen Hollywood den Spiegel vor die Nase zu halten und eben auch diese sozialen Randgruppen zu zeigen.

Aber gerade dann, wenn man eigentlich glaubt zu wissen, was einen in Million Dollar Baby erwartet, nimmt der Film eine ganz andere Wendung.

Clint Eastwood zeigt die Geschichte um die junge Boxerin mit sehr viel Einfühlungsvermögen und lässt sich sehr viel Zeit dafür. Es war schon immer seine große Stärke, seine Darsteller in das bestmögliche Licht zu rücken und ihnen viel Platz zur Entfaltung zu geben. Die recht eindimensionalen Charaktere fordern den sehr guten Darstellern sicher nicht alles ab. Sie verleihen ihnen aber Leben und eine Seele, ihr Schicksal war mir wichtig und ging mir nahe. Unterstützt wird das von den größtenteils sehr dunklen Bildern und der sehr zurückhaltenden, eingängigen Musik. Sehr schön, wie in einigen Dialogen die sprechenden Figuren langsam aus dem Schatten kommen und danach wieder im Dunkel verschwinden. Überhaupt wird sehr viel mit cleverer Beleuchtung gearbeitet, was die ruhige Stimmung nur unterstreicht.

Die teilweise durchaus harten Boxszenen sind gekonnt in Szene gesetzt und haben viel Dynamik. In einigen Szenen hat man das Gefühl, selbst im Ring zu stehen. Leichtfüßig bewegt sich die Kamera durch den Ring und fängt das hektische Geschehen ein. Auch wenn durch den kometenhaften Aufstieg von Maggie diese Szenen ein wenig an Spannung verlieren. Aber gerade dann, wenn man eigentlich glaubt zu wissen, was einen in Million Dollar Baby erwartet, nimmt der Film eine ganz andere Wendung. Und genau diesen Entschluss finde ich nicht nur sehr gut, sondern ab da wird der Film zum absoluten Highlight. Und genau ab hier erklärt sich auch, warum die langsame Erzählweise nötig war.

Million Dollar Baby kann man sich auch anschauen, wenn man mit Boxen so gar nichts am Hut hat. Es geht letztlich auch nicht primär ums Boxen. Es geht um Überzeugung und um tiefe, selbstlose Freundschaft. Und genau diese Freundschaft oder auch Liebe strickt Eastwood über einen langen Zeitraum langsam zusammen mit sehr viel Respekt und Liebe zum Detail. Und um dann am Ende zu sehen, wie weit Menschen gehen können, wenn sie sich um einander kümmern, das geht tief unter die Haut und berührt auch noch lange, nachdem man das Kino verlassen hat.

Million Dollar Baby ist ganz großes Kino, was es heute leider nicht mehr oft gibt. Spezial-Effekte sind nicht nötig, um die ganz großen Emotionen und Gefühle ins Kino zu bringen, die einen eigentlich so am Erlebnis Kino faszinieren. Und Clint Eastwood hat auch genau aus diesem Grund zu Recht den Oscar für die beste Regie mit nach Hause genommen. Sein Film ging mir so viel mehr unter die Haut als der vergleichsweise größere Aviator und darum geht es ja eigentlich auch im Kino. Und wenn Mystic River schon ein sehr guter Film war, Million Dollar Baby ist in seiner Gesamtheit, auch trotz eher lahmen Anfang, ein noch besserer Film geworden. Hut ab Mr. Eastwood.

Fazit: Ich lege mich schon jetzt fest, der Film des Jahres 2005. Ganz großes, emotionales Kino mit überzeugenden Darstellern und einem extrem einfühlsamen Regisseur.

Rating:

★★★★★★★★★★

6 Kommentare zu “Million Dollar Baby

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