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Reine Chefsache (In Good Company)

Reine Chefsache (In Good Company)

Als ich den Trailer zu Reine Chefsache sah, war mir sofort klar, dass ich diesen Film sehen muss. Ich erwartete eine romantische Komödie, die mich bewegen wird. Und genau dieser Gedanke war falsch. Denn in erster Linie geht es in Reine Chefsache darum, herauszufinden, was man vom Leben erwartet und vielleicht auch darum, erwachsen zu werden und zu sich selbst zu finden. Wie es so schön am Ende des Trailers heißt „it’s about getting a life“. Bewegt hat mich der Film dann aber doch und zwar mit der Art und Weise wie er genau dieses Thema rüber bringt. Ehrlich, humorvoll und zum größten Teil überaus realistisch.

Dan Foreman (Dennis Quaid) hat sein halbes Leben einem amerikanischen Sportmagazin gewidmet. Er ist Leiter der Anzeigenabteilung und ein alter Hase im Business. Als die Firma an den Tycoon Teddy K (Malcom McDowell) verkauft wird, beginnt das große Stühlerücken. Er bekommt mit Carter Duryea (Topher Grace) einen neuen Chef vor die Nase gesetzt, der nicht nur keine Ahnung hat, sondern obendrein auch nur halb so alt wie er ist. Aber Dan erträgt die Schmach, schließlich hat er eine Frau (Marg Helgenberger) und zwei Kinder zu versorgen und weiterer Nachwuchs kündigt sich bereits an. Als wäre dies nicht schon genug, trifft sich Carter auch noch heimlich mit der älteren Tochter Alex (Scarlett Johansson). Als Dan davon Wind bekommt und weitere Köpfe im Büro rollen müssen, bricht für den Familienvater eine Welt zusammen.

Dan Foreman ist eine sympathische Figur. Er rackert sich für seine Familie ab, lässt sich im Büro demütigen, damit es den Lieben zu Hause gut ergeht und er würde dafür sein letztes Hemd geben. Er ist ein Mann alter Prägung, steht zu seinem Wort und ist von seinem Job überzeugt und gibt sich diesem auch voll hin. Dennis Quaid ist die ideale Besetzung für diese Rolle, er wirkt immer ehrlich und absolut überzeugend. Selbst in der schwierigsten Situation hat sein Film-Alter-Ego noch einen sarkastischen Spruch auf den Lippen. Eine Person, die jeder gerne als Vater hätte oder zumindest als väterlichen Freund. Ein Mensch, dem Loyalität und Integrität noch wichtig sind und dem es das Herz bricht, wenn er einen alten Weggefährten vor die Tür setzen muss.

Die beiden harmonieren extrem gut und man nimmt ihnen das langsam aufbauende Vater-Sohn-Verhältnis wirklich ab.

Carter Duryea ist einer dieser jungen Draufgänger, die die Karriereleiter nur so herauf fallen und dabei völlig vergessen, ihr Leben zu führen. Keine Freunde, Beziehung im Eimer, bevor sie richtig begonnen hat und ein Leben aus der Konservenbüchse. Er arbeitet hart und bekommt die Unterstützung, die er sich vielleicht auch verdient hat. Er sitzt auf einem Posten, den vorher jemand mit einer riesigen Erfahrung ausgefüllt hat und genau das ist es, was Carter fehlt. Ihm fehlt es an beruflicher aber auch an Lebenserfahrung. Topher Grace bringt den leicht hibbeligen Heißsporn sehr gut rüber und ist die perfekte Ergänzung zu Dennis Quaid. Die beiden harmonieren extrem gut und man nimmt ihnen das langsam aufbauende Vater-Sohn-Verhältnis wirklich ab.

Im Laufe des Films erkennt Carter, dass er vom alten Dinosaurier noch so viel lernen kann und seine Ansichten so verkehrt nicht sein können. Das beschränkt sich nicht auf den Beruf, sondern ist im privaten Bereich noch viel ausgeprägter. Eine der stärksten Szenen ist dann auch, als Carter Dan fragt, wie er so eine tolle Ehe führen kann und Dan trocken erzählt, dass man sich einfach die richtige Frau für den Fuchsbau sucht und seinen Schwanz einfach in der Hose behalten muss, wenn man den Bau verlässt. Das Leben kann so einfach sein. Aber auch Dan kann umgedreht von Carter lernen, was er nicht mal merkt, als er komplette Argumentationen übernimmt, die er kurze Zeit vorher nicht nachvollziehen wollte. Aber es wundert auch nicht, denn Regisseur Paul Weitz hatte schon in About A Boy ein Händchen für Situationskomik, ausgefeilten Wortwitz, ein erstklassiges Casting und den perfekten Einsatz seiner Schauspieler. Einzig Scarlett Johansson hat mich ein wenig enttäuscht, was vielleicht an den zahlreichen Drehs der gefragten Schauspielerin liegt, auch die Synchronstimme passte irgendwie überhaupt nicht.

Als sich dann langsam die Lovestory zwischen Carter und Tocher Alex entwickelt, hatte ich schon schlimmste Befürchtungen, dass die üblichen Hollywood-Klischees auf mich zukommen würden. Doch auch hier überrascht Reine Chefsache. Ich hätte nicht erwartet, dass von den kreativen Köpfen, die zum Beispiel hinter American Pie steckten, so ein Film kommen würde. Die Beziehung zwischen den beiden wirkt aufrichtig und ehrlich und wie sich das Ganze durch den Film entwickelt und zum Ende löst ist vielleicht für viele enttäuschend, mir hat es extrem gut gefallen und den Film zum Ende nochmals angehoben.

Es gibt eine Szene, wo Regisseur Weitz des Guten zu viel wollte. Als Dan bei einer Rede von Chairman Teddy K einfach das Wort ergreift und seinen obersten Chef als banalen Phrasendrescher dastehen lässt. Sicherlich eine Szene, wie sie jeder Mal selber erleben möchte, die Entwicklung danach ist dann aber extrem konstruiert und leider völlig abwegig. Da sich der Film bis hierhin aber wirklich so Zuckerwattensüß angefühlt hat, verzeih ich das an dieser Stelle großzügig. Das gute Ende entschädigt dafür sowieso und so konnte ich mit einem extrem guten Gefühl im Bauch das Kino verlassen.

Fazit: Liebevolle und überraschend gute Komödie über die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

2 Kommentare zu “Reine Chefsache (In Good Company)

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