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Elektra

Elektra

Wir haben es fast geschafft. Im Sommer wartet noch Die Fantastischen Vier auf uns und damit dürfte die große Welle der Comic-Umsetzungen endlich hinter uns liegen. Zugegeben, Elektra hatte es bei mir besonders schwer, da ich direkt davor den glänzenden Sidewarys gesehen habe. Elektra kennt man aus Daredevil, wo sie ihren ersten Auftritt hatte. Schon damals wurde Jennifer Garner vertraglich zu einem Spin-Off gebunden. So musste nur noch eine plausible Erklärung gefunden werden, denn schließlich war Elektro in Dare Devil aus dem Leben getreten.

Die wundersame Rettung aus dem Totenreich wurde Elektra durch ihren blinden Lehrmeister Stick ermöglicht. Dieser holte sie zurück, sie trennte sich von ihrem Ausbilder und arbeitet von da an als Auftragskillerin. Als sie den Auftrag bekommt, einen Mann und sein kleines Mädchen zu töten, kommen ihr Gewissensbisse. Der mysteriöse Orden der Hand hat es auf einen Schatz abgesehen, der in Besitz der beiden ist. Elektra kämpft fortan für die beiden Verfolgten und es kommt zum unweigerlichen Showdown mit den Schergen der Hand.

Wenn ich in Großaufnahmen das hübsche Gesicht von Frau Garner so in Gedanken verloren vor mir sah, da fragte ich mich dann schon, warum sie so grübelt.

Das ist der Stoff, aus dem echte Helden gemacht sind. Zugegeben, die Überleitung von Dare Devil zu Elektra ist relativ originell und im Sinne des Comics auch stimmig. Elektra an sich ist eigentlich auch ein interessanter Charakter und der Chauvi in mir möchte sich auch gerne von ihr beschützen lassen. Ihr knappes Lederoutfit ist eine Augenweide und wenn sie filigran mit ihren kleinen Dolchen hantiert, das hat schon etwas. Der Versuch, ihrem Charakter die Marvel-typische Verletzbarkeit zu geben, wird hier ein wenig übertrieben. Die Frau hat eine ziemliche Psychose und bräuchte eigentlich ärztlichen Beistand.

Das Dilemma von Elektra ist, dass der Film sich nicht so recht entscheiden kann, was er eigentlich will. Für einen Actionfilm bekommt man zu viel Langeweile und auch alle anderen Aspekte kommen zu kurz. Wo wir bei zu kurz sind, der Film hat zwar nur eine Laufzeit von knapp über 90 Minuten, dennoch schaute ich mehrfach auf die Uhr, was kein gutes Zeichen für einen Film ist. Es fehlt auch an Zeit, die einzelnen Charaktere vorzustellen. Was ist die Hand eigentlich und warum sind diese bösen Menschen eigentlich so böse? Warum lösen sich die bösen Ninjas in gelb-grüne Nebelschwaden auf wie gepfählte Vampire, sobald Elektra ihnen die Kartoffel vom Hals haut? Ich weiß es nicht, die Macher des Films hatten vermutlich auch keine gute Erklärung dafür und ersparten uns einfach eine schlechte.

Kommen wir zum eventuellen Salz in der Suppe, den Kämpfen und den Effekten. Vielleicht werde ich zu alt für so etwas, aber in vielen Filmen dieser Art sind mir die Kampfszenen einfach zu hektisch. Keine Sekunde ohne Schnitt, das erspart natürlich dem Team eine gute Choreographie der Kämpfe. Und als dann beim großen Showdown munter die Bettlaken durch die Luft kreisen und man das Gefühl hat „jawohl, jetzt kommt etwas mir richtig Stil“, dann wird man leider doch wieder enttäuscht. Sehr interessant waren die „Oberschurken“ der Hand. Diese hatten alle eine besondere Fähigkeit. Tatoo kann zum Beispiel seine zahlreichen Tätowierungen zum Leben erwecken und Typhoon ist der heimliche Star des Films, wenn auch furchtbar böse: Ihr Kuss kann töten.

Wenn ich in Großaufnahmen das hübsche Gesicht von Frau Garner so in Gedanken verloren vor mir sah, da fragte ich mich dann schon, warum sie so grübelt. Fragt sie sich, warum sie an diesen Film teilgenommen hat? Fragt sie sich, ob wir einen zweiten Teil sehen müssen? Oder dachte sie vielleicht etwas wie „Verdammt, nächstes Mal muss ich den Vertrag einfach genauer lesen, bevor ich wieder so ein Spin-Off drehen muss!“. Ich weiß es nicht, tendiere aber zur letzten Option. Zu Gute halten muss man Elektra, dass der Film besser als Catwoman ist, aber es bleibt die Frage, ob das wirklich eine Kunst ist.

Fazit: 08/15 Comicumsetzung streng nach dem Handbuch „Comicverfilmung in 10 Schritten“

Rating:

★★★★☆☆☆☆☆☆

Ein Kommentar zu “Elektra

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