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Sophie Scholl – Die letzten Tage

Sophie Scholl - Die letzten Tage

Zurzeit kann man sich durchaus fragen, ob es noch ein Streifen dieser Art sein musste. Der Untergang, Napola und jetzt eben die letzen Tage der Sophie Scholl. Vielleicht meint es die deutsche Filmindustrie gerade ein wenig zu gut mit der Aufarbeitung der nationalen Geschichte. Gerade die Geschichte um die Jugendbewegung der Weißen Rose wurde bereits zwei Mal verfilmt, wozu also noch mal? Wenn man den Machern glauben darf, dann weil es neue Unterlagen aus den Stasi-Archiven gibt, die neue Aspekte der Verhöre zeigen. Letztlich war ich dann doch neugierig, auch aufgrund des Trailers, und so konnte ich nicht widerstehen.

Regisseur Rothemund verlässt sich bei seiner Neuverfilmung des Stoffes vor allem auf Julia Jentsch als Sophie Scholl und Alexander Held als Ermittler Mohr. Der Großteil des Films spielt im Verhörzimmer Mohrs und zeigt uns das gesamte Verhör, nachdem Sophie zusammen mit ihrem Bruder bei einer Flugblattaktion in der Münchner Universität von der Gestapo verhaftet wurden. Zunächst sieht es so aus, als wenn Sophie sich mit ihrer gespielten politischen Uninteressiertheit und überzeugenden Alibis aus der ganzen Sache herausreden könnte. Doch dann bricht das Konstrukt aus Lügen und Ausreden zusammen, sie gesteht und bekennt ihre wahre Einstellung und Ideologie. Nicht zuletzt aufgrund der harten Verhörmethoden und neuen Beweisen aus der Wohnung der Scholl-Geschwister.

Mir schlagen selten Filme auf den Magen…

Die langen Verhöre geben beiden Schauspielern sehr viel Gelegenheit, sich von der besten Seite zu zeigen. Dies funktioniert auch nur daher so gut, weil auf beiden Seiten überzeugende Figuren gewählt wurden. Sophie Scholl ist eine junge Frau, die ihr Leben für ihre Ideale und ihr Gewissen opfert. Sie stirbt lieber, als von ihrer Linie abzuweichen oder Freunde oder ihre Ideologie zu verraten. Ermittler Mohr wird hier nicht als brutale Bestie skizziert. Er ist jemand, der sich an das geltende Gesetz hält, auch wenn es eigentlich vom moralischen Standpunkt her falsch ist. Aber da oben wird man ja schon wissen, was gut ist und was nicht.

Er ist selbst Familienvater und hat eine gewisse Portion Mitleid mit Sophie Scholl und baut ihr mehr als ein mal eine goldene Brücke, um den drohenden Schicksal zu entrinnen. Und man hat teilweise im Film kurz den Gedanken, dass er auch selbst ins Grübeln kommt, ob dies alles so richtig ist, was gerade passiert. Aber das gehört sicherlich zu den Sachen, die historisch nicht belegt sind. Letztlich hält er sich an die Regeln und schon nach wenigen Tagen steht der Schauprozess an,

Und genau hier zeigt der Film sein wirklich ekliges Gesicht. Mir schlagen selten Filme auf den Magen, aber wenn der Vorsitzende Freisler mit seinem Schauprozess anfängt, bei dem das Urteil ohnehin vorher klar war, dann wird einem geradezu schlecht. Und wenn man sich dabei vor Augen führt, dass es eben so gewesen ist, dann geht das so gar nicht. Und dann in so einer Situation, vor einem derartig besetzten Publikum immer noch zu seiner Meinung zu stehen, dass zeigt eben, warum man auch heute noch dieser Leute gedenkt. Und wenn dann die drei Hauptangeklagten zur Hinrichtung abgeführt werden, dann braucht man nicht die Augen zuzumachen. Dies tut der Film schon selbst für einen. Allein die Geräusche reichen aus, um ein so ungutes Gefühl im Raum zu verbreiten, dass man am liebsten den Saal verlassen möchte. Und wer schon bei William Wallace Ausruf von Freiheit in Braveheart am Ende war, der sollte um Sophie Scholl einen großen Bogen machen.

Fazit: Zutiefst bewegendes Historiendrama mit glänzenden Hauptdarstellern.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

4 Kommentare zu “Sophie Scholl – Die letzten Tage

  1. Und nicht nur ein Historiendrama; denn die Menschen haben sich seit der Nazizeit leider nicht zum Besseren hin geändert. Mehr darüber gibt es hier zu lesen.

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