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The Grudge

The Grudge

Eine Tür öffnet sich langsam, es ist der Notausgang des Cinemaxx am Raschplatz in Hannover. Im Hintergang ertönen leise die aus Armageddon wohl bekannten Klänge. Es treten fünf Personen in Zeitlupe heraus. Es ist die Ollyfamily. Fünf Personen, die durch die Hölle gegangen sind und die bereit sind noch viel weiter zu gehen. Sie haben dem Tod ins Auge geblickt und müde zurück gelächelt. Der Teufel in Form von The Grudge trachtete nach dem Leben, eine Feuersbrunst, die Gandalf dem Grauen den Bart weggekokelt hätte. Und trotz aller Umstände lächelten sie, denn sie sahen dass es gut war, irgendwie zumindest. Diese Kinokritik wird anders als alle anderen hier, denn die Umstände sind auch so anders, doch dazu später mehr.

Sneakmaster Heiko servierte uns unter den neugierigen Blicken eines NBC-Giga-Teams den Horror-Exportschlager The Grudge, der ursprünglich aus Fernost kommt. Wenn Filme dort erfolgreich laufen, werden sie gerne mit Darstellern aus Hollywood gespickt und verhollywoodisiert, wie zuvor schon bei The Ring. The Grudge ist für die Mehrheit der Kritiker das, was Kryptonit für Superman ist, der gefährliche Erzfeind, aber damit würde man diesem Film schon deutlich mehr Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, als er es verdient hätte.

Die Story ist recht banal und daher auch schnell abgehakt. Die gleichsam hübsche wie hölzerne Karen (Sarah Michelle Gellar) ist in Tokio durch einen Austausch gelandet und legt dort ein freiwilliges und gleichsam selbstloses Praktikum bei einem Pflegezentrum ein. Ihr erster Job ist dann ähnlich interessant wie meine eigene Arbeit. Sie betreut eine demente alte Frau, die vorzugsweise erschaudert in die Gegend starrt. Aber oh Schreck, Papierschnipsel und Essensreste weisen den Weg ins Obergeschoss, wo das Grauen lauert. Nein, nicht der versoffene Hausherr, sondern wirklich etwas Böses. Das doofe Haus ist verflucht und dieser Fluch ist wie ein schlechter Husten, man wird ihn einfach nicht mehr los. Wer jemals einen Horrorfilm gesehen hat, der weiß was folgerichtig kommen muss.

Der Rest kommt aus dem Horrorfilm-Pingofen.

Der Film hat einen guten Moment und das ist die Startszene mit Bill Pullman. Nie war er in einem Film glänzender und jetzt müsst ihr wirklich alle ins Kino gehen, damit ihr diesen Gag verstehen könnt. Der Rest kommt aus dem Horrorfilm-Pingofen. Hier mal eine schemenhafte Gestalt in einer Milchglasscheibe oder eine dusselige Fratze, wenn sich einer der Protagonisten umdreht. Hundertfach gesehen, ich zumindest jeden Mittwoch in der Sneak in der Reihe hinter mir (nicht schlagen!). Das große Problem des Films ist einfach, dass es eine Nummernrevue platter Schockeffekte ist. Da diese für einen ganzen Film nicht genug hergeben wird mit zahlreichen, nicht chronologisch richtig sortierten Rückblenden der Film gestreckt. So sehen wir immer andere Menschen, die dem Fluch zum Opfer fallen. Und es ist eben so, dass man zu diesen Personen keinen Bezug hat und es einem dann auch total egal ist, ob der Fluch nun zuschlägt oder auch nicht. Nur weckt mich bitte, wenn alle tot sind und ich Heim kann, danke.

Aber es kam dann doch anders und wurde noch richtig spannend. Meine Kinonachbarin fragte mich auf einmal, ob ich das auch riechen würde. Als ich kurz darüber nachdachte, was sie wohl zu Abend gegessen hätte, ergänzte sie, dass es ja irgendwie verbrannt riechen würde. Kurz darauf, als es mir auch blitzschnell in die Nase stieß, ging das Licht an und jemand vom Personal berichtete freundlich aber bestimmt in einer kleinen Nebelschwade stehend wie der Dschini aus der Flasche, dass es einen kleinen Brand geben würde und wir bitte das Kino verlassen sollten. Und so schließt sich der Kreis und wir sind wieder am Anfang dieses Textes. Das Geld gibt’s zurück und bei dem Film kann man nur dankbar sein. Und ja, ich habe den Film nicht zu Ende gesehen, aber ich habe auch keinen Bedarf, nicht Ansatzweise. Ich schaue Freitag dafür eine Folge Golden Girls, da grusele ich mich mehr.

Fazit: Horror-Fünf-Minute-Terrine. Und wenn Maggi das jetzt ließt verklagen die mich sicher.

Note: 6 (bei einer nackten Sarah Michelle Gellar hätte ich ne 5 gegeben!)

8 Kommentare zu “The Grudge

  1. Das mit den Fratzen eine Reihe hinter euch habe ich jetzt mal dezent überlesen, beim Rest kann ich dir einfach nur zustimmen. Der liebe Gott verfügt offensichtlich über einen guten Geschmack was Filme angeht, denn er wollte nicht, dass wir diesen ausgemachten Quark sehen und hat uns deshalb ein Zeichen, hier in Form eines klitzekleinen Brandes gesandt. Zur Abwechslung bin ich ihm echt mal dankbar, hätte diese gequälten, übertriebenen Schockmomente keine Minute länger ertragen…

  2. Ach und danke nochmal für die brutale, herzlose und gemeine Frisur-Zerstörungsattacke, dank dir muss ich nun alleine ins Bettchen krabbeln. 😉

  3. Ah ja – dann mal Danke für die Kritik zum Super-Horrorstreifen. Somit weiß ich schon mal, was ich mir ersparen kann. Apropos The Ring…dann schon lieber den Ami-Schmuh (wie schreibt man eigentlich Schmuh?) als das japanische Original – selten sowas Schlechtes gesehen. Der wurde ja überall großartig angepriesen…aber alles war mies – die Synchronisation, die Story, die Bilder, die Darsteller – nee eh, muss ich nicht haben (hab ihn jetzt aber leider)

    Greetz

  4. hät ich das hier bloss eher gelesen.
    Dann wäre mi dieser Film erspart geblieben. Bei mir gabs vor 2 Wochen keinen Brand als ich im Hammer Cinemaxx (oder CinePlex? egal…) war.
    Ausser Sarah sterben alle. Und naja Sarah ist am Ende quasi so gut wie Tod. (Es taucht „jemand“ hinter ihrem Rücken auf. Ich weiss ja nicht wer bis zum Brand schon Tod war, ich könnte den Rest jas spoilen, inklusive der Hintergrundgeschichte die aufgedeckt wird)

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