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Wenn Träume Fliegen Lernen (Finding Neverland)

Wenn Träume Fliegen Lernen (Finding Neverland)

Es gibt immer wieder Filme, die mich emotional so berühren, dass sie für mich ein Highlight des Jahres werden. Letztes Jahr war dies ohne Zweifel Big Fish, dieses Jahr stehen die Chancen gut, dass es Finding Neverland (ich hasse den deutschen Titel) werden wird. Ich mochte die Disney-Verfilmung von Peter Pan, fand die Story schon immer gut und auch Hook war nicht so schlecht, wie er von vielen gemacht wurde. Finding Neverland erzählt uns, wie die Geschichte von Peter Pan entstand und welch kreativer Kopf dahinter steckt.

Der Theater-Autor James Matthew Barrie (Johnny Depp) muss entsetzt miterleben, wie im London Anfang des 20. Jahrhunderts sein neuestes Stück sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern auf wenig Wohlwollen stößt. Ihm mangelt es an Inspiration für neuen Stoff, doch diese findet er eines Tages in einem Park, wo er die Bekanntschaft mit der Witwe Sylvia Llewelyn Davies (Kate Winslet) und ihren vier Jungen macht. Er freundet sich mit ihnen an und die Muse küsst ihn. Mit Argusaugen wird das Ganze von der gestrengen Mutter Sylvias (Julie Christie) und Barries Frau (Radha Mitchell) beobachtet. Der kleine Peter und die Spiele mit den Kindern in der Fantasiewelt Nimmerland inspirieren Barrie zu seinem aufwändigsten Stück. Trotz vieler Vorbehalte durch Intendant Frohman (Dustin Hoffman) bringt er Peter Pan auf die Bühne, was ihm Weltruhm beschert.

Wenn man diesem Film eins vorwerfen kann, dann vielleicht das er bemüht auf einen Oscar aus ist und auch genauso aussieht. Er kommt aus der Miramax-Küche, die Jahr für Jahr versucht mit aufwändigen Filmen wie zuletzt Unterwegs nach Cold Mountain oder Chocolat die begehrte Trophäe zu sichern. So merkt man dem Film teilweise eine gewisse Bemühtheit an, was aber auch wirklich alles ist, was man Regisseur Marc Foster und seinem Team vorwerfen kann.

Trotz aller durchaus vorhandenen Traurigkeit trägt der Film eine absolut positive Aussage.

Finding Neverland lebt von einem wieder überragenden Johnny Depp, der alle sonstigen Darsteller mit Bravour an die Wand spielt. Das ist nicht mal leicht, da Julie Christie und Kate Winslet ihre Sache ebenfalls sehr gut machen. Depp versteht es, den gelegentlich in seiner Fantasiewelt total abtauchenden Barrie glaubhaft darzustellen. Er spielt einen Menschen, der sein Leben ganz seiner Überzeugung hingibt und selbst seine Ehefrau zu kurz kommen lässt. Er entdeckt wieder das Kind in ihm, dass ihm die nötige Inspiration beschert, um wieder Erfolg haben zu können. Ein Extralob hat sich der kleine Freddie Highmore verdient, der den kleinen Peter spielt. Gerade zum Ende hin versprüht er sehr viel Gefühl.

Nach Monster’s Ball hat Marc Forster wieder einen überzeugenden Film abgeliefert. Er versucht über die gesamte Zeit die Balance zwischen einer an Tatsachen angelehnten Geschichte und einem sentimentalen Drama zu halten, was ihm auch absolut gelingt. Mitten im Film hatte ich kurz die Befürchtung, dass ihm das Ganze aus der Hand gleiten wird, aber dies war unbegründet. Sein Stil erinnerte mich zeitweise an Tim Burton, wenn er die realen Szenen mit denen aus der Traumwelt Barries mischt. Dabei deutet er dies meist nur an und überlässt hier viel der Fantasie der Zuschauer. Ein bisschen vorsichtig sein muss man wie üblich mit dem Hinweis „beruht auf Tatsachen“, denn die Story wurde aus dramaturgischen Gründen ein wenig angepasst, man darf also keine Biographie erwarten.

So sehen wir mit Finding Neverland einen wunderschönen Film über die Suche nach dem Kind im Mann, warum man sich immer eine kindliche Sicht der Dinge bewahren sollte und dass es sich eben lohnt für seine Ziele zu kämpfen. Trotz aller durchaus vorhandenen Traurigkeit trägt der Film eine absolut positive Aussage. Und so hat man zwar eine Träne im Auge, wenn sich Sylvia in Richtung Nimmerland verabschiedet, aber wir wissen ja nun, wie schön es dort ist. Und wir können alle selbst dorthin, wir müssen nur stark genug daran glauben.

Fazit: Zu recht mehrfach Oscar nominiertes, wunderschönes Literatur-Drama mit einem Johnny Depp in Höchstform.

Rating:

★★★★★★★★★☆

6 Kommentare zu “Wenn Träume Fliegen Lernen (Finding Neverland)

  1. Hmmm, ich hatte eigentlich kein Interesse an dem Film, aber nach dem was ich da von Dir gelesen habe, werde ich mir den Film dann doch auch mal anschauen.

    Viele Grüße
    TRiKKi

  2. @Miss: Stimmt, der Film braucht seine Zeit, aber das ist wohl auch das übliche Einführen der Charaktere.

    @Trikki: Dann mal los „Frau Kollegin“ 🙂

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