Skip to main content

Silentium

Silentium

Ich habe mich bisher nicht für den österreichischen Film interessiert, was wohl zunächst daran liegt, dass ich noch nie einen Film aus dem Land der Berge gesehen habe. Dabei mag ich eigentlich die Sprache. Insbesondere der Wiener Akzent gefällt mir sehr gut, ich muss dabei immer etwas lachen. Mit Silentium legt Regisseur Wolfgang Murnberger die zweite Verfilmung nach Komm süßer Tod eines „Wolf Haas“-Buches um den Privatschnüffler Brenner vor. Mich wundert im Nachhinein, warum die Kirche bei diesem Film so ruhig geblieben ist, doch dazu später mehr.

Gottlieb Dornhelm, der Schwiegersohn des Festspielpräsidenten in Salzburg, hat sich vom Mönchsberg offensichtlich in den Tod gestürzt. Die Witwe Konstanze glaubt nicht an die Selbstmordgeschichte und heuert den heruntergekommenen Privatdetektiv und Ex-Polizisten Brenner an, um den mysteriösen Selbstmord aufzuklären. Denn der Verstorbene hatte nicht nur Freunde. Er hatte den heutigen Erzbischof der sexuellen Belästigung an Kindern bezichtigt. Gemeinsam mit seinem Freund Berti ermittelt Brenner im Sumpf von Salzburg, und irgendwie scheint die High Society keine weiße Weste zu haben.

Der Film ist teilweise wirklich sehr böse und zynisch.

Es ist nicht einfach, diesen Film zu verstehen. Dabei meine ich nicht, dass die Story zu kompliziert ist, sondern der Dialekt ist teilweise extrem schwer zu verstehen. Das und die Tatsache, dass sich der Film technisch eher auf dem Niveau einer Tatort-Folge bewegt sind dann aber auch meine einzigen Kritikpunkte an diesem rabenschwarzen Thriller. Der Film ist teilweise wirklich sehr böse und zynisch. Es stecken so viele kleine Pointen, Gemeinheiten und Anspielungen im Film, die man auf den ersten Blick gar nicht mitbekommt. Ein Highlight für mich war die Anspielung auf Hitchcocks „Der Unsichtbare Dritte“ in der Szene mit dem Modellflugzeug. Silentium lässt kein Tabu aus und tendiert zeitweise zur Geschmaclosigkeit. Egal ob sexuelle Misshandlung Schutzbefohlener, Mädchenhandel in der High Society oder gar Mord, hier bleibt nichts aus.

Hauptdarsteller Brenner (Josef Hader) ist ein cooler Typ, der mich fasziniert hat. Er ist nicht so glatt und geleckt, wie es sein Hollywood-Äquivalent wäre. Er säuft, raucht, kifft und schmeißt Kopfschmerztabletten ein wie andere Leute Popcorn. Er bewegt sich den ganzen Film über am Abgrund und macht das alles eigentlich nur, um seinen erbärmlichen Lebensunterhalt bestreiten zu können und nicht weil er an das Gute im Menschen glaubt oder irgendwelche Ideale verfolgt. Das macht ihn so sympathisch. Dazu kommt noch seine lakonische Art mit dem typisch österreichischen Schmäh. Ich mag das.

Auch der Rest der Riege ist gut besetzt. Christoph Schlingensief als hyperaktiver Opernregisseur und Joachim Król als zwielichtiger Präfekt überzeugten mich und ganz besonders gut gefallen hat mir Simon Schwarz als Berti, der so einen lustig vertrottelten Eindruck hinterließ. Die Musik von den Sofa Surfers passt ebenfalls sehr gut und so präsentiert sich Silentium als rundes Paket abseits des Mainstreams.

Fazit: Überraschung aus Österreich, die nicht nur eine bloße Fortsetzung von Komm süßer Tod ist, sondern die Charaktere weiter entwickelt. Bitterböse und witzig zu gleich.

Rating:

★★★★★★☆☆☆☆

Kommentar verfassen