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Hautnah (Closer)

Hautnah (Closer)

Hautnah basiert auf dem Bühnenstück Closer, das von Patrick Marber geschrieben wurde. Dieser schrieb auch das Drehbuch zum Beziehungsdrama, das von Mike Nichols für die große Leinwand umgesetzt wurde. Nichols ist auch genau der richtige Mann, um mit einer Starbesetzung ein Bühnenstück zu verfilmen. Neben langjähriger Broadway-Erfahrung sammelte er auch schon Erfahrungen mit ähnlichen Stoffen, wie zum Beispiel Die Reifeprüfung oder Wer hat Angst vor Virgina Wolf.

Vier Charaktere sehen wir im Film. Den ebenso attraktiven wie erfolglosen Schriftsteller Dan (Jude Law), der sich seinen Lebensunterhalt als Verfasser von Nachrufen verdient. Die US-Stripperin Alice (Natalie Portman), die versucht in London ein neues Leben aufzubauen. Die in Scheidung lebende Fotografin Anna (Julia Roberts), die mit ihren Bilder groß raus kommen wird. Und der ehrgeizige Dermatologe Larry (Clive Owen), der genau weiß, was er will und sich zeitweise wie ein Höhlenmensch benimmt. Es entwickelt sich ein Beziehungsdrama um vier Ecken. Zwei Menschen finden und hintergehen sich und finden die neue große Liebe. Dan und Larry kämpfen verzweifelt um beide Frauen und beide haben eins gemein: Sie wollen immer die Frau, die sie gerade nicht bekommen können. Wir sehen vier Egoisten, die kurzfristig denken und nicht den Weg des geringsten Widerstandes gehen, sondern den ehrlichen und qualvollen Weg. Den der gebrochenen Herzen.

Hautnah ist ein anstrengender Film, da er unglaublich voll mit Dialogen ist. Fast zwei Stunden lang hören wie die brutal ehrlichen Unterhaltungen der vier Protagonisten, die teilweise extrem wehtun. Es gibt nicht einmal nackte Haut zu sehen in dem Film, dennoch waren Menschen selten so offen und wehrlos in einem Film. Es wird keine körperliche Gewalt ausgeübt, dennoch sah ich selten Menschen in einem Film, die verletzter wirkten. Die Dialoge sind so ausgefeilt und beeindruckten mich noch lange nach dem Film. Das macht den Film vielleicht ein wenig unrealistisch, da man im Eifer des Gefechts nicht so philosophische Worte von sich geben kann, gefallen hat es mir trotzdem sehr.

Zeitweise taten mir die vier Menschen Leid.

Nichols und Marber haben eine glänzende Spielwiese für die vier Darsteller geschaffen, da sie hier wirklich zeigen können was in ihnen steckt. Am meisten beeindruckt hat mich Clive Owen in seiner Rolle als Larry. Er ist der, den man zunächst genau zu durchschauen vermag, der sich dann aber doch als völlig anders entpuppt. Ihm habe ich auch am ehesten seine Gefühle und Empfindungen abgenommen. Wenn er wütend, traurig oder verzweifelt ist, wirkt dies einfach echt und insofern halte ich auch die Oscar-Nominierung hier für mehr als angebracht. Danach folgen auf einem Level Natalie Portman und Julia Roberts. Für Julia Roberts sicher ein angenehmer Film, da sie sich mal von einer anderen Seite zeigen kann. Ihr typisch einwickelndes Lächeln sieht man hier nicht nur sehr selten, es verpufft auch total. Natalie Portman als spröde und fast schon zerbrechliche Alice hat viel Potenzial und dies nutzt sie auch konsequent aus. Ein kleines Problem hatte ich mit Jude Law, der mich nicht vollends überzeugen konnte. Sein Spiel erschien mir ein wenig unglaubwürdig und gekünstelt. Das ist hier aber Meckerei auf höchster Ebene und daher zu relativieren.

Neben den grandiosen Dialogen hat Hautnah auch viele sehr atemberaubende Bilder. Wir sehen interessante Aufnahmen aus London und besonders hervorzuheben sind die Szenen während der Annas Ausstellung sowie die im Aquarium. Allein die Szene, wo Alice vor ihrem eigenen großen Bild steht, fällt klar in den Bereich Kunst. Die beeindruckendsten Szenen des Films waren für mich klar das Kennenlernen zwischen Dan und Alice gleich zu Beginn und der lange Dialog zwischen Anna und Larry, als er von seinem Seitensprung erzählt. Gerade letztere Szene verrät so viel über die beiden Personen und ist so brutal ehrlich, dass es einen kaum kalt lassen kann.

Zeitweise taten mir die vier Menschen Leid. Ich wäre am liebsten zu jedem einzelnen hingegangen, um ihn bzw. sie mal richtig durchzuschütteln. Keiner von ihnen ist bereit auch nur den kleinsten Kompromiss einzugehen und sieht nur den eigenen Vorteil. Das mag erschreckend sein, ist aber doch irgendwie real.

Fazit: Dialoglastiges Kammerspiel über Oberflächligkeiten, Egoismus und Beziehungen an sich mit exzellenten Darstellern.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

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