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SAW

SAW

Auf SAW bin ich aufmerksam geworden, als beinahe vor über einem halben Jahr die ersten Trailer dazu im Internet auftauchten. Ungewöhnlich war da schon nicht nur der verstörende Look des Films, sondern das für einen Trailer ungewöhnliche R-Rating. How fucked up is that fragt der Trailer nicht ganz zu unrecht. Ich habe mich öfter im Film gefragt, was die Drehbuchschreiber als nächste kranke Idee für uns parat halten.

Zwei Personen erwachen in einem verrotteten Kellerverlies und sitzen sich gegenüber. Beide sind mit einer Kette am Fuß an ein Heizungsrohr gekettet. In der Mitte des Raumes liegt eine Leiche, Unmengen von Blut sind aus einer Wunde am Kopf gelaufen. Die beiden Gefangenen bekommen Instruktionen vom Peiniger. Der eine soll den anderen binnen acht Stunden töten, da sonst Frau und Kind ihr Leben verlieren werden. Durch geschickte Zeitsprünge und wiederkommende Gedächtnisfragmente erfahren die Zuschauer, was zuvor passiert ist, während der perverse Irre weiter sein verrücktes Spiel spielt.

Es ist letztlich die Umsetzung des Stoffes, die SAW so interessant macht.

Man kann SAW sicherlich nicht dafür loben, das Rad des Thriller-Genres neu zu erfinden. Es dreht sich um die alte Story, wie weit man gehen würde, um sein eigenes Leben und das seiner Familie zu retten. Es ist letztlich die Umsetzung des Stoffes, die SAW so interessant macht. Den Film zeichnen ein sehr düsterer Look sowie sein schonungsloser Umgang mit Gewalt aus. Anstatt erst etwas aufzubauen steigt SAW gleich voll ein und fesselt von der ersten Minute, sofern man sich auf so einen Stoff einlassen mag.

Mein Problem dabei war, dass es mir eigentlich total egal war, was nun mit den beiden Protagonisten passiert. Ich hatte keinerlei Beziehung aufbauen können, wie es zum Beispiel bei Open Water der Fall war. Da habe ich den gesamten Film mit dem durchaus sehr sympathischen Paar mit gelitten, das ja auch völlig zu unrecht in die missliche Lage gekommen war. Und wo wir gerade schon bei den negativen Punkten des Filmes sind: Die Synchronisation gehört auf jeden Fall dazu. Die Sprecher wirken teilweise absolut nicht zum aktuellen Geschehen passend. So gab es bei den teilweise eher dramatischen Szenen großes Gelächter, was so sicher nicht gewollt ist. Aber das war es dann auch schon, was ich zu meckern habe, denn der Rest überzeugt.

Selten habe ich einem Film so abgedrehte, schon fast kranke Ideen gefunden. Man stelle sich einmal vor, man hat einen Aparat am Kopf befestigt, der einem den Kopf zerreißen lässt bei Ablauf einer bestimmten Zeit. Die einzige Lösung ist ein Schlüssel und dieser befindet sich im Magen einer Person, die vor einem liegt. Einziges Hilfsmittel um daran zu kommen ist ein Haushaltsmesser. Und wer sich mit dem Gedanken tröstet, dass man einer toten Person den Bauch öffnet wird spätestens dann die Augen schließen, wenn diese Person auf einmal die Augen öffnet und blinzelt. Genau diese Momente bietet SAW mehrfach und machen einen großen Reiz des Films aus.

Der teilweise bemühte Vergleich mit Sieben hinkt nicht nur, er ist ungerecht. Wenn man schonen einen Vergleich wagen möchte, dann bietet sich hierfür eher Cube an. Personen, denen man zusieht, wie sie in einer Extremsituation reagieren. Und extrem ist SAW in jeder Hinsicht, für die Gefangenen, für die ermittelnden Polizisten und letztlich auch für den Zuschauer als Voyeur der gesamten Szenerie. Regie-Neuling James Wan schafft es auch sehr clever mit vielen Zeitsprüngen Erklärungen nachzuliefern. Was hat der Killer vorher gemacht, warum ist Polizist Tapp (Danny Glover) so besessen und wie sind die beiden Protagonisten da überhaupt rein geraten. Die Story hat einige kleine Wendungen und behält auch zum Ende noch die eine oder andere Überraschung parat.

Interessante Details am Rande. Der Film wurde in nur 18 Tagen gedreht und sollte eigentlich direkt auf Video erscheinen. Positive Testvorführungen halfen dem Film dann doch noch ins Kino.

Fazit: Überraschend spannender Horror-Thriller, der doch mehr zu bieten hat als platte Gewalt.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

5 Kommentare zu “SAW

  1. Ich hätte den Film gar nicht wahrgenommen, wäre nicht Charlie Clouser (Ex-Nine Inch Nails) für den Soundtrack verantwortlich. Schön, daß ich jetzt auch weiß, worums eigentlich geht…

  2. Die Musik passt übrigens auch perfekt zum zeitweise sehr düsteren Film. Gerade in den etwas schnelleren Szenen, die ein wenig Panik verbreiten sollen, kommt dies sehr gut zur Geltung.

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