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The Aviator

The Aviator

Das Leben des Exzentrikers Howard Hughes dürfte einer der größten Favoriten bei der diesjährigen Oscar-Verleihung sein. Die Biografie des Aviators ist ebenso imposant und tragisch und ein wichtiger Teil der amerikanischen Geschichte. Martin Scorsese versucht mit etwas Abstand das schillernde Leben auf die Leinwand zu bringen und lässt dabei die großen Skandale und schwierigsten Jahre aus und beschränkt sich auf die Zeit, in der Hughes als Filmmogul und Himmelsstürmer von sich Reden machte.

Howard Hughes (Leonardo DiCaprio) war ein arbeitsbesessener Macher, der mit einem großen Erbe ausgestattet war und in den zwanziger Jahren mit der Produktion Hell’s Angels ins Hollywood-Geschäft einstieg mit der damals teuersten Produktion überhaupt. Zahlreiche Affären mit zum Beispiel Katharine Hephurn (Cate Blanchett) und Ava Gardner (Kate Beckinsale) brachten ihn immer wieder in die Zeitungen. Seiner Leidenschaft als Pilot ist es zu verdanken, dass er dann die Fluglinie TWA kaufte und ganz große in die Flugzeugbranche einstieg und der damals übermächtigen Pan Am unter der Leitung von Juan Tripe (Alec Baldwin) den offenen Krieg erklärte. Er brach diverse Geschwindigkeitsrekorde und suchte immer wieder neue Grenzen, die er mit einer spielerischen Leichtigkeit nahm, jedoch immer mit dem drohenden Konkurs im Nacken. Aber bei aller Brillanz war er auch selbst sein größter Gegner. Er war halb taub und eine Sauberkeitsneurose brachte ihn letztlich um den Verstand.

So kann man den Film schon als liebevolle Widmung an einen großen Macher verstehen, die mit viel Sorgfalt und Anstand in Szene gesetzt wurde.

Ich halte es inzwischen für eine sehr clevere Entscheidung, sich auf die beiden schillernden Epochen im Leben des Howard Hughes zu beschränken und das leidvolle Ende, über das auch sehr viel spekuliert wird, gänzlich auszulassen. So kann man den Film schon als liebevolle Widmung an einen großen Macher verstehen, die mit viel Sorgfalt und Anstand in Szene gesetzt wurde. Und mit Leondardo DiCaprio hat man nicht unbedingt den optisch am besten passenden Schauspieler gefunden, aber immerhin jemanden, der Howard Hughes bravourös verkörpert. Einen Menschen darzustellen, der dem Wahnsinn verfällt ist immer eine Gratwanderung, die Mr. DiCaprio aber exzellent gelingt.

Auch in den anderen Rollen wurden die passenden Gegenstücke gefunden. Cate Blanchett lässt Katharine Hephurn quasi wieder auferstehen, einer der ganz großen Highlights im Film. Immer etwas im Hintergrund aber eine ganz wichtige Rolle im Film verkörpert John C. Reily als Buchhalter Noah Dietrich. Kate Beckinsale als Ava Gardner passt ebenfalls sehr gut, hat aber nicht sonderlich viel Zeit und wirkte auf mich eher unauffällig. Für total überbewertet halte ich den Auftritt von „No Doubt“-Frontfrau Gwen Stefani, die als Jean Harlow einen sehr kurzen Auftritt hat. Zu einem richtig guten Schauspieler hat sich inzwischen Alex Baldwin gemausert, der den härtesten Gegner aber auch gleichzeitig so etwas wie einen väterlichen Freund von Hughes verkörpert. In weiteren Nebenrollen finden sich weitere Top-Schauspieler wie Jude Law, Ian Holm und Enterprise-Mime Brent Spiner. Insgesamt kann man einen Film kaum besser besetzen.

Die Spezial-Effekte insbesondere bei den atemberaubenden Flugaufnahmen sind imposant, bleiben aber eher unauffällig im Hintergrund. Scorsese nutzt Effekte eher dezent und auch nur da, wo es wirklich nötig ist. Sämtliche Kulissen und Kostüme vermittelten mir den Eindruck, wirklich die jeweilige Zeit zu sehen, alles sehr liebevoll und mit viel Blick für Details. Die Musik von Howard Shore rundet das Ganze ab und drängt sich ebenfalls nicht in den Vordergrund.

Für einen Scorsese-Film ist Aviator erstaunlich geradlinig und wirkt ein wenig auf Oscar-Kurs getrimmt. Ich würde es ihm auch wirklich endlich mal gönnen. Er konzentriert sich voll auf Hughes und selbst bei der kolossalen Spielzeit von fast drei Stunden bleibt daher kaum Platz für die vielen Nebencharaktere und deren Geschichten. In einigen Szenen war mir der Film auch ein wenig zu langsam und fast langatmig. Die stärksten Szenen hat Aviator immer dann, wenn die beiden Gegensätze der Figur Hughes sich krass gegenüber stehen. Eben noch kauft er für mehrere Millionen eine Fluglinie einfach so aus dem Bauch heraus und im nächsten Moment scheitert er daran, die Tür zu einer öffentlichen Toilette aufzumachen. Bei all seinem Geld und seiner nahezu unendlichen Macht sind es so banale Kleinigkeiten, an denen er gescheitert und letztlich auch zerbrochen ist. Und das macht ihn trotz seines schillernden Lebenswandels und allen Rekorden doch zu einem bedauernswerten Menschen.

Fazit: Epischer Oscar-Kandidat, der die ebenso imposante wie traurige Geschichte eines der mächtigsten Männer Amerikas erzählt.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

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