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Kontroll

Kontroll

Selten ist es mir so schwer gefallen, mir eine Meinung über einen Film zu bilden, wir zum ungarischen Kontroll von Nimrod Antal. Ich sah den Film, der in Ungarn extrem erfolgreich lief und auch hier auf diversen Festivals begeistert aufgenommen wurde, bereits vor zwei Wochen in der Sneak Preview. Kontroll erzählt die Geschichte von ein paar Fahrkarten-Kontrolleuren in den U-Bahnen von Ungarn. Es handelt sich dabei um eine sehr schräge Truppe, die noch seltsamere Tage zu überstehen hat. Der Job eines Fahrkartenkontrolleurs muss in Ungarn schon sehr anstrengend sein, Dankbarkeit ist das Letzte, was man erwarten kann.

Mittelpunkt der Story ist der labile Bulcsu (Sándor Csányi), der die U-Bahn nie verlässt und sogar nachts dort schläft. Eines Tages trifft er auf die junge Szofi (Eszter Balla), die in einem Teddy-Kostüm durch die U-Bahn wandelt. Zu schaffen macht dem Kontroll-Team ein irrer Kapuzenträger, der einfach Leute auf die Schienen schmeißt. Unter den verschiedenen Kontroll-Teams herrscht Konkurrenzkampf und man liegt sich dort ständig in den Haaren.

Wenn man Regisseur Antal ein Kompliment machen möchte, dann würde man ihn als ungarische Mischung aus Danny Boyle und Guy Ritchie beschreiben und ich denke, damit kann man den Film auch am ehesten katalogisieren. Die Charakterwahl ist ähnlich abgedreht wie in Snatch, der Drehstil erinnert an die Werke von Danny Boyle. Wer sich damit anfreunden kann, dass der Film komplett in der U-Bahn und damit unter der Erde spielt wird mit vielen düsteren Bildern belohnt und einigen sehr interessanten Einstellungen und schönen Lichtspielen. Ich mag so etwas, auch Fotos, die solche Motive zeigen sehe ich mir gerne an.

Dem Film tut es gut, dass die Schauspieler des Film für unsere Augen unverbraucht sind, wenn es nicht so verrückt wäre, könnte man den Film fast für eine Doku halten.

Oberflächlich gesehen könnte man dem Fim vorwerfen, dass er brutal und sehr wirr ist, aber der Film funktioniert meiner Meinung nach auch auf einer anderen Ebene, wenn man sich zumindest die Mühe macht, etwas genauer hinzuschauen, was mir zugegeben auch teilweise schwer fiel. Man könnte den Film so verstehen als verzweifelten Kampf von Bulcsu. Sind er und der Kapuzenmann eventuell sogar die gleiche Person? Ein Kampf zweier Seelen? Ist es die Kraft der Liebe zu Szofi, die Bulcsu aus dem Teufelskreis rettet? Viele Fragen, die der Film aber unbeantwortet lässt und man somit selbst entscheiden kann, wie man den Film verstehen möchte.

Mir hat der teilweise sehr verrückte Humor sehr gut gefallen. Allein die vielen verrückten Charaktere, angefangen beim Professor des Teams bis hin zu den vielen Passagieren, denen man eigentlich nicht mal im Dunkeln begegnen möchte. Dem Film tut es gut, dass die Schauspieler des Film für unsere Augen unverbraucht sind, wenn es nicht so verrückt wäre, könnte man den Film fast für eine Doku halten. Ein Extralob gibt es noch für den sehr schönen Soundtrack, der hervorragend zum Film passt.

Fazit: Ungewöhnlicher Film, der mir zunächst gar nicht gefiel, aber mit der Zeit einen immer besseren Eindruck hinterließ. Abseits des Mainstreams findet er hoffentlich einen verdienten Platz bei einem Publikum, dass die Arbeit von Antal zu schätzen weiß. Es wäre schade, wenn man zukünftig auf solche Filme verzichten müsste.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

3 Kommentare zu “Kontroll

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