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Alexander

Alexander

„Sein Name ist eine Legende, seine Taten unvorstellbar“ titelt das Plakat zum Film Alexander. Und selten hatte ein Verleih mit einem Slogan so Recht. Seine Taten waren unvorstellbar… unvorstellbar langweilig – zumindest im Film. Oliver Stone versucht es gerne anders als der Hollywood-Mainstream und man muss ihm zugute halten, dass Alexander ein sehr ambitioniertes Projekt war. Aber in den drei Stunden hat er sich extrem in den vielen verschiedenen Aspekten verloren und nie einen echten roten Faden gefunden. So wirkt Alexander dann auch größtenteils wie opulentes Stückwerk.

Der kleine Alexander (Colin Farrel) hat es nicht leicht. Sein Vater Philip (Val Kilmer) ist ein brutaler Kriegsherr, und seine Mutter Olympia (Angelina Jolie) eine hinterhältige Schlange, die nach Macht strebt. Als er als junger Mann das Königserbe antritt führt er einen Eroberungsfeldzug, nimmt die damals bekannte Welt ein und unterjocht dabei zahlreiche Völker, behandelt sie aber respektvoll. Er versuchte immer aus dem Schatten seines Vaters zu treten und seine Männer bis an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus zu treiben. Und das macht ihn zu Alexander dem Großen. Dem Herrscher über die damals bekannte Welt.

Die Schlachten sind wie heute üblich hektisch geschnitten und verursachen gerade zum Ende schon fast Kopfschmerzen.

Oliver Stone hat sich übernommen. Er versuchte so viel unter einen Hut zu bekommen, dass es nur in die Hose gehen konnte. Er wollte einfach zu viele Aspekte beachten, das erklärt auch schon die lange Laufzeit des Filmes. Es fehlt ein Erzählfaden, an dem man sich lang hangeln kann bis zum Ende und irgendetwas, das einen mitfiebern lässt. So verfolgt man Schlacht um Schlacht, aber letztlich sitzt man teilnahmslos im Sessel und wartet auf das unweigerliche Ende. Die einzelnen Passagen im Leben von Alexander werden zusammen gehalten von den langwierigen und schwerfälligen Erzählungen des Ptolemaios (Anthony Hopkins). So kann keine mitreißende Atmosphäre entstehen. Bei aller möglicher historischer Korrektheit, hier hätte ich mir mehr künstlerische Freiheit gewünscht.

Die in den Medien als Skandal bezeichnete bisexuelle Darstellung des Alexander kann einem nur ein müdes Lächeln entlocken. Da ist jede Daily Soap skandalträchtiger und hier wird allenfalls angedeutet. Aber so ist es eben mit Alexander, viele vage Andeutungen und Erklärungsversuche, aber es krankt an der Umsetzung. Die Schlachten sind wie heute üblich hektisch geschnitten und verursachen gerade zum Ende schon fast Kopfschmerzen. Es strengt richtig an, dieses Gemetzel zu verfolgen. Und bevor es eine große Schlacht gibt möchte ich eine Rede voller Pathos hören, die mir eine Gänsehaut auf den ganzen Körper zaubert. Warum nun alle mitgehen und kämpfen bleibt mir ein Rätsel. Ich wäre wohl stehen geblieben und hätte mir gedacht „Mach du mal“.

Colin Farrel als Alexander hat mir dabei nicht mal schlecht gefallen, er macht seine Sache durchaus gut. Unglaubwürdig fand ich Angelina Jolie als Alexander Mutter, das mag daran liegen, dass die beiden etwa gleichaltrig sind und selbst im höheren Alter Olympia noch jung und frisch aussieht. Richtig überzeugend war Val Kilmer als König Philip. Anthony Hopkins hat sich mit seiner Rolle keinen Gefallen getan, man kann nur hoffen, dass die Gage dafür gestimmt hat. Einen Pluspunkt verdient sich Alexander dann dafür, dass er nicht weichgespült ist, wie es Troja noch war und das es vom Ansatz her ein mutiges und ambitioniertes Projekt war. Der Film wirkt so viel größer und mächtiger als die direkte Konkurrenz. Aber so ist das im Leben, wer so hoch hinaus will kann leider auch tief fallen. Schade für Oliver Stone.

Fazit: Ambitioniertes Historiendrama, dass an den zu hohen eigenen Erwartungen des Regisseurs scheitert.

Rating:

★★★★☆☆☆☆☆☆

2 Kommentare zu “Alexander

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