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Polar Express

Der Polar Express

Die Frage, was denn nun der große Weihnachtsfilm 2004 ist, wurde letzten Freitag für mich beantwortet. Mal den miesgrämigen aber doch sehr unterhaltsamen Bad Santa ausgenommen ist es der Polar Express, der am besten die vorweihnachtliche Magie auf die Leinwand zaubert, die vor allem Kinderaugen sehr erfreuen wird aber sicherlich auch für Erwachsene sehr schöne Momente hat. Der Film basiert auf der schön illustrierten Weihnachtsgeschichte von Chris van Allsburg und wurde von Robert Zemeckis (Forrest Gump, Zurück in die Zukunft) in Szene gesetzt. Tragende Figur des Films ist Tom Hanks, der insgesamt fünf Rollen „spielt“, doch dazu später mehr.

Die namenlose Hauptfigur des Films, ein kleiner Junge, bekommt kurz vor Weihnachten erste Zweifel an der Existenz des Weihnachtsmannes. In der Nacht vor Weihnachten taucht mit mächtigem Getöse eine Eisenbahn in seiner Straße auf und der Schaffner fordert ihn auf einzusteigen. Es soll zum Nordpol gehen erklärt er dem staunenden Jungen, zum Weihnachtsmann natürlich. Der Zug ist voller Kinder und am Ende der Reise werden sie den Weihnachtsmann sehen. Und so dampft der Polar Express los auf seine abenteuerliche, weil viel zu knapp bemessene Reise.

Es geht um das Zweifeln, Freundschaft und letztlich um die Magie von Weihnachten, die in der Form nur Kinder erfassen können und die man im Film schön wieder erkennen kann, sofern man sich darauf einlassen mag und es nicht als kitschig empfinden will.

Robert Zemeckis kennt sich hervorragend mit Tricktechnik aus, dies bewies er in Roger Rabbit gleichermaßen wie in Forrest Gump. Für die Verfilmung der Geschichte um den Polar Express entschied er sich gegen herkömmliche Kulissen wie es auch bei Sky Captain and the World of Tomorrow getan wurde. Dazu kam die „Performance Capture“-Technik zum Einsatz. Tom Hanks wurden überall Sensoren angebracht und so wurden seine Bewegungen in den Computer übernommen und diese gaben gleich mehreren Figuren im Film Leben. So „spielt“ Hanks den Schaffner, Bettler, Weihnachtsmann, den Vater des Jungen und auch den Jungen selbst. Wenn man dieses jedoch nicht weiß, fällt es im Film nicht auf. Der Film versucht auch gar nicht erst, lebensechte Charaktere auf die Leinwand zu bringen. Sie wirken nicht echt, aber auch nicht unecht, eher ein wenig stilisiert.

Die Filmumsetzung kommt der Buchvorlage sehr nahe, die Tricktechnik war hier augenscheinlich die richtige Wahl. Fantastische Bilder dominieren und es ist eine wahre Freude die Lok durch die Landschaft, verschneite Täler und hohe Berge fahren zu sehen. Auch Spielereien wie das verlorene Ticket wären so in einem realen Film nicht möglich gewesen. Die Story ist vergleichsweise dünn, ist aber absolut passend für eine Weihnachtsgeschichte. Es geht um das Zweifeln, Freundschaft und letztlich um die Magie von Weihnachten, die in der Form nur Kinder erfassen können und die man im Film schön wieder erkennen kann, sofern man sich darauf einlassen mag und es nicht als kitschig empfinden will. Weniger gut hat mir zum Ende des Films das Fixieren auf die großen Geschenke gefallen, denn diese Materialisierung ist doch genau das, was eben nicht die Magie Weihnachtens ausmacht. So wirkt die Stätte des Weihnachtsmanns nicht wie die nette Hütte eines alten netten Mannes sondern eher wie die Spitze der modernen Industrialisierung.

Davon ab wird eine Geschichte erzählt von vier Freunden, die ein Abenteuer miteinander durchstehen, obwohl sie verschiedener nicht hätten sein können. Der schüchterne stille Hauptfigur, die im Geheimen eigentlich ein echter Leader ist. An seiner Seite seine afroamerikanische Freundin, die immer weiß was zu tun ist. In der Gruppe nicht fehlen darf natürlich der Losertyp aus der Unterschicht, der ein Problem mit Weihnachten hat, da er keine Geschenke bekommt. Die Spitze ist dann der nörgelnde Klugscheißer, der sich am Ende aber auch noch als Typ mit eigentlich gutem Kern entpuppt. Alle Klischees werden erfüllt, ohne aber wirklich zu nerven. Der Film hat auch spannende Momente, nicht so, dass man sich im Sessel erschrecken würde, eher in einer unterhaltenden Art und Weise, die für Kinder nicht schädlich ist. Und der Auftritt des Weihnachtsmannes am Ende des Films ist eben genauso, wie ihn sich Kinder immer vorstellen. Der große weiße Mann, der immer souverän und herzlich, aber auch durchaus bestimmend ist.

Fazit: Sehr schöne, Familien taugliche Weihnachtsgeschichte mit überzeugender Tricktechnik.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

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