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Halleluja

Heute hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art. Über ICQ bekam ich eine Anfrage, ob ich zu einem Interview bereit wäre. Da habe ich schon gestutzt. Als es dann hieß, dass es um das Thema Religion ging, stutzte ich noch mehr. Wieso Religion? Und was habe ich eigentlich damit zu tun? Weiteres Nachfragen verriet mir, dass es sich bei dem Fragenden um einen Kunden des Unternehmens handelt, für das ich arbeite und er ein „Fan“ von meiner Kollegin und mir sei. Also gut, beißen wir in den sauren Apfel und beschäftigen uns mit dem so ungeliebten Thema und sind wie immer. Ehrlich. Mit seiner Zustimmung hier also das Interview für seine Hausaufgaben. Hat dann sogar irgendwie Spaß gemacht. Ich hoffe ich gelte nun nicht als der Antichrist….

1. Welcher Konfession gehören Sie an?
Evangelisch-Lutherisch.

2. Glauben Sie an die Existenz Gottes? Was verbindet sie mit Gott?
Ich glaube nicht an den einen Gott. Ich kann das schlecht in Worte fassen. Vielleicht ist es Schicksal woran ich glaube. Wenn es einen Gott gibt, wie er einem gerne verkauft wird, warum gibt es dann so viel Kummer auf der Welt? Wenn er nur dafür da wäre, damit man das Gute im Leben richtig zu schätzen weiß, warum gibt es dann Menschen, die nur gutes erleben und wieder andere, denen überwiegend schlechtes widerfährt? Wo bleibt die Gerechtigkeit? Wenn es einen Gott gibt, warum ist er dann manchmal so ungerecht?

3. Feiern Sie religiöse Feste und wie? Bedeutung?
Wir feiern religiöse Feste wie Ostern und Weihnachten, aber auch eher im familiären als christlichen Sinn. Das sind Tage, wo sich die Familie auf das Zusammen sein besinnt und Zeit miteinander verbringt so gut es eben geht. Dabei denkt keiner über den Sinn dieses Festes nach, sonder man nimmt es als gegeben hin und freut sich, dass die anderen da sind.

4. Hilft Ihnen die Religion im Alltag?
Nein. Im Alltag helfen mir meine Familie, meine Freunde und letztlich meine Überzeugung und der Glaube an mich selbst.

5. Wie ist Ihre Einstellung zum Papst?
Ich habe jetzt gerade überlegt, wie ich das möglichst schonend sage. Der Mann ist doch geistig gar nicht richtig auf der Höhe, um so ein – wenn auch nur repräsentatives Amt – auszufüllen. Meiner Meinung nach ziemlich überflüssig.

6. Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Ein Thema über das ich sehr viel nachgedacht habe in meinem Leben. Es mag da irgendwie weiter gehen, nur was bringt es einem, wenn man sich seiner selbst nicht mehr bewusst sein wird. Das ist doch das, was das Leben ausmacht. Die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse. Allerdings wäre die Vorstellung, nach seinem Tod wirklich nur zu verrotten auch ein wenig zu krass.

7. Hat dieser Glaube eine Auswirkung auf Ihr gegenwärtiges Leben?
Ja, er lässt mich mein Leben bewusster leben, denn es könnte jeden Moment vorbei sein. Das Leben ist so verdammt kurz und man sollte sich dessen immer bewusst sein. Man sollte normales nicht als normal hinnehmen, sondern schon als Geschenk.

8. Lesen Sie zu Hause die Bibel?
Nein, ich glaube in diesem Haushalt gibt es auch keine Bibel. Habe aber natürlich während meiner Schulzeit und während meiner Konfirmationszeit darin gelesen.

9. Was gehört für Sie zur Religion?
Das ist unheimlich schwer zu definieren, nicht umsonst streiten sich so viele Menschen darüber. Für mich ist Religion der Glauben an etwas, das einem hilft das Leben zu meistern. Dazu muss das keine „anerkannte“ Religion sein, sondern für das jeweilige Individuum hilfreich.

10. Gehen Sie zur Hl. Messe? Wie oft?
Nein, nur als ich es musste. Ansonsten nur zu besonderen Anlässen. Nicht weil ich etwas dagegen hätte, es gibt mir nur nichts.

11. Beten Sie? Wann? Wo?
Nicht im christlichen Sinne. Ich ziehe mich mal zurück und denke nach, formuliere im Kopf meine Wünsche und Emotionen, das kann man im übertragenen Sinne sicherlich als Besten auslegen. Ich habe mal ein Buch über Buddhismus gelesen und daraus einige Lehren für mich gezogen, die ich für sinnvoll halte. Zum Beispiel abends noch mal den Tag Revue passieren zu lassen und sich Gedanken zu machen. Das geht auch in diese Richtung.

12. Wie ist ihre allgemeine Einstellung zur Religion?
Es ist für mich in Ordnung, so lange es nicht in Fanatismus ausufert. Jeder Mensch braucht etwas, woran er glauben kann. Was das letztlich ist, muss jeder Mensch mit sich selbst ausmachen.

13. Beschäftigen Sie sich mit anderen Religionen?
Ja, wie oben erwähnt habe ich mich mal mit dem Buddhismus beschäftigt. Generell finde ich fernöstliche Ansätze sehr interessant, da die Menschen dort sehr ausgeglichen sind.

14. Welche Bedeutung haben für Sie religiöse Traditionen?
Ich bin getauft und konfirmiert worden und ich würde vermutlich auch kirchlich heiraten, falls mir das noch mal passieren sollte. Falls dies mit der Frage gemeint ist. Ich habe auch schon Beerdigungen mitmachen müssen, aber auch da hilft eine Religion kaum über den Schmerz drüber hinweg.

15. Beteiligen Sie sich aktiv am Leben ihrer Gemeinde?
Sofern ich helfen kann, tue ich es gerne. Muss aber gestehen, dass ich dies zuletzt nicht zu viel gemacht habe.

2 Kommentare zu “Halleluja

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