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Darf ich bitten? (Shall we dance?)

Darf ich bitten? (Shall we dance?)

„Tanzen ist alles oder nichts“ fasst es Stanley Tucci in Darf ich bitten? so treffend zusammen. Bei Filmen ist dies oft leider nicht so einfach, es gibt nicht nur gute oder schlechte Filme, sondern eben auch eine beträchtliche Anzahl Filme, die sich in der grauen Zone dazwischen befinden. Filme, die sich nicht recht entscheiden können, was sie eigentlich sein wollen. Darf ich bitten? ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Der Film ist das US-Remake des sehr erfolgreichen japanischen Originals Shall we dansu? von Masayuki Suo.

John Clark (Richard Gere) ist ein erfolgreicher Anwalt, der mit seinem Leben glücklich zu sein scheint, zumindest auf den ersten Blick. Er liebt seine Frau Beverly (Susan Sarandon) und seine Kinder und sollte eigentlich zufrieden sein. Doch jeden Abend, wenn er in der Bahn sitzt auf dem Heimweg, sieht er am Fenster einer Tanzschule die deprimiert aussehende Paulina (Jennifer Lopez). Nach einigen Tagen fasst er seinen Mut zusammen und besucht die Tanzschule um Paulina kennen zu lernen und meldet sich dort als neuer Schüler an. Seiner Familie erzählt er davon jedoch nichts. Paulina lässt sich grundsätzlich nicht mit Schülern ein und so überlegt John, die Tanzschule zu schmeißen. Er bleibt jedoch dabei, weiter im Geheimen, da es für ihn noch viel mehr Gründe gibt, sein Ziel Tanzen zu lernen weiter zu verfolgen. Er nimmt an einem Turnier teil, wo seine Frau, die zwischenzeitlich einen Detektiv eingeschaltet hat, mit Tochter anwesend ist – natürlich ohne sein Wissen. Für John ist es Zeit, Farbe zu bekennen, zu seinen Bedürfnissen zu stehen und alles zu erklären.

Mir tat es in der Seele weh, als ihre ersten Bedenken aufkommen, ob ihr Mann eventuell eine Affäre hat.

Der Film bezieht einen Großteil seiner Unterhaltung aus den größtenteils hervorragenden Darstellern. Richard Gere nahm ich seine Motivation und sein Verhalten die ganze Zeit ab und er wirkt einfach charmant in seiner Rolle als zunächst schüchterner Tanzschüler und später als tadelloser Ehemann. Noch eine Klasse besser wirkte an seiner Seite Susan Sarandon, die es schafft, die gesamte Gefühlspalette mit ihren Augen auszudrücken. Mir tat es in der Seele weh, als ihre ersten Bedenken aufkommen, ob ihr Mann eventuell eine Affäre hat. Für diese Art Film extrem wichtig sind die witzigen Nebenrollen, die hier zuhauf und dazu auch noch sehr gut vertreten sind. Stanley Tucci als knallharter Businessman mit geheimer Latino-Casanova-Identität, die durchgeknallten Mitschüler Vern (Omar Benson Miller) und Chic (Bobby Cannavale) und nicht zuletzt die an Bette Midler erinnernde Bobbie (Lisa Ann Walter). Sämtliche Charaktere haben genug Zeit im Film, sodass man problemlos eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Sie sind eben nicht nur schmückendes Beiwerk. Mein einziges Problem war die überflüssige Jennifer Lopez. Sie wirkte auf mich eher hölzern und gesichtslos, der ganze Plot um Paulina hat dem Film auch eher geschadet als genützt. Der Film hätte deutlich besser ohne diesen Handlungsstrang funktioniert, auch wenn ich ihr beim Tanzen im Film schon sehr gern zugeschaut habe. Das war vermutlich auch der Grund für ihre Besetzung.

Hervorheben möchte ich, dass der Film dann doch nicht so vorhersehbar war, wie ich es zunächst befürchtet hatte, denn es kommt ja nicht zur Romanze zwischen John und Paulina. Mehr als tänzerische Leidenschaft bekommt man hier nicht zu sehen und das ist auch gut so. Es hätte sowieso unecht gewirkt, zwischen beiden stimmte augenscheinlich die Chemie nicht. Gerade zum Ende hin, wenn das Tanzturnier beginnt macht der Film am meisten Spaß und zeigt das, was man von so einem Film erwarten darf. Tolle Tanzszenen, die einfach in so einem Film sein müssen.

Fazit: An sich guter Tanzfilm mit einem überflüssigen Handlungsstrang rund um Jennifer Lopez.

Rating:

★★★★★★☆☆☆☆

Ein Kommentar zu “Darf ich bitten? (Shall we dance?)

  1. Ja! Tanzen macht Spaß. Deswegen habe ich mir auch beide Filme angeguckt, mich aber dann doch nur für den Kauf des japanischen Originals entschieden.

    Ich kann Deiner Kritik nur zustimmen. Richard Gere und Susan Sarandon sind in dem Film ein wunderbares Paar. Jedoch erinnerte mich das Ende etwas zu sehr an An Officer And A Gentleman.

    Jennifer Lopez spielt ebenfalls sehr gut, aber es stimmt, was Du schreibst: Zwischen den beiden knistert es nicht so richtig; außer vielleicht bei ihrem langen Tanz während der sehr romantisch gefilmten Einzeltanzstunde.

    Zudem hat der Film ein paar Ungereimtheiten, deren Ursache erst klar wird, wenn man sich das Vorbild angeschaut hat: In Japan gilt die Körperberührung beim europäischen Tanzen nämlich als etwas eher Unanständiges. Und deswegen die Heimlichtuerei des Mannes, die in der westlichen Gesellschaft eigentlich keinen Sinn ergibt.

    Auch der Grund für die Traurigkeit der jungen Tanzlehrerin wird viel verständlicher, sei hier aber nicht verraten, da es ein wichtiges Element ist.

    Übrigens sind die japanischen Darsteller mindestens genauso bezaubernd wie ihre amerikanischen Pendants. Die betrunkene ältere Tanzlehrerin wird im Original nüchtern und mit beeindruckender Würde gespielt.

    Der Punktewertung von Shall We Dance stimme ich daher zu. „Shall We Dansu“ bekäme von mir im Vergleich freilich eine glatte 10/10.

    Ich habe es nicht bereut, Shall We Dance angesehen zu haben.
    Die Tanzszenen sind alle sehr schön aufgenommen und ausgeführt, der Humor kommt nicht zu kurz und Susan Sarandon und Richard Gere gehören nun mal immer noch zu den besten Schauspielern.

    Christian Krumholz

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