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Sehnsüchtig (Wicker Park)

Sehnsüchtig - Wicker Park

Filme stecken voller Emotionen und rufen diese auch beim Zuschauer auf, sofern sich diese darauf einlassen. Der richtige Film zur richtigen Zeit kann enorm unter die Haut gehen und die Seele Purzelbäume schlagen lassen. Wenn ich jedoch jemanden der mir nahe stand durch einen Autounfall verloren habe, schaue ich kein Formel-1-Rennen, wenn ich krank vor Sehnsucht bin, schaue ich mir keinen Film an, der Sehnsüchtig heißt. Und genau das letztgenannte musste ich tun, denn bei einer Sneak weiß man nun mal nicht was kommt. Daher kann meine Sicht auf den Film nicht objektiv sein. Insofern hatte der Film bei mir einfach ein schlechtes Timing und von Beginn an einen schweren Stand.

Matt (Josh Hartnett) ist ein netter Kerl, der eine wundervolle Frau an seiner Seite hat und einen guten Job hat. Für diesen soll er nach China fliegen. Doch noch bevor er zum Flughafen kommt, meint er seine alte große Liebe Lisa (Diane Kruger) gesehen zu haben. Er entschließt sich den Flug nicht anzutreten und stattdessen lieber Lisa nachzurennen. Er folgt einer Spur und läuft seinem alten Kumpel Luke (Matthew Lillard) über den Weg, der ihm spontan hilft. Dieser macht sich an Alex (Rose Byrne) ran, die aber eher ein Auge auf Matt geworfen hat. Was folgt ist eine Verkettung von Missverständnissen und verpassten Gelegenheiten, die mit vielen Zeitsprüngen erzählt wird.

Wenn der siebenundvierzigste Anruf auch knapp verfehlt wird oder man sich anderweitig mal wieder verpasst, dann spricht das nicht mein Mitgefühl sondern eher meine Geduld an.

Sehnsüchtig ist das US-Remake des französischen Filmes L’Appartement mit u.a. Vincent Cassel und Monica Belucci. Ich verstehe die Amerikaner nicht. Warum muss man von einem ohnehin guten Film eine US-Version drehen? Und warum ist diese nicht mal annähernd so gut wie das Original? Das liegt vor allem an den Schauspielern, die mir zu keiner Zeit irgendeine Art von Gefühl vermitteln konnten. Josh Hartnett mag ein netter Kerl sein, kennt aber nur einen Gesichtsausdruck, egal ob er eine Frau für sich gewinnen will oder seinem am Boden liegenden Kameraden in Black Hawk Down Mut zuspricht. Diane Kruger war schon in Troja deplatziert und hat obendrein eine grausame Stimme. Mit der Leistung von Rose Byrne kann man zufrieden sein, das fand ich noch relativ glaubhaft. Enttäuschend für einen Film, wenn man dann ausgerechnet Matthew Lillard als Retter des Abendlandes und Lichtblick des Films preisen muss.

Aber das erklärt zumindest, warum man sich für die ganzen Zeitsprünge und die eigenwillige Erzählart entschied. Irgendwie muss man dem Film ja etwas Besonderes mitgeben. Das ist auch alles ganz nett, rettet den Film aber nicht. Wenn der siebenundvierzigste Anruf auch knapp verfehlt wird oder man sich anderweitig mal wieder verpasst, dann spricht das nicht mein Mitgefühl sondern eher meine Geduld an. Letztlich muss man allen Charakteren vorwerfen, extrem doof zu sein. Warum nicht einfach mal jemand die Person direkt anruft, von der er etwas will und das direkt klärt bleibt ein Geheimnis der grenzdebilen Autoren. Und warum sich Josh Hartnett ausgerechnet für Lisa entscheidet, wo die niedlichere Frau ihm sogar zu Füßen liegt… müßig darüber nachzudenken. Am Ende gibt es wenigstens Coldplay, das versöhnt etwas.

Fazit: Unnötige US-Version eines guten französischen Filmes, der die deutlich besseren Schauspieler hat. Also lieber den auf DVD holen, als für Sehnsüchtig ins Kino zu gehen. Mal ganz davon abgesehen, dass es gerade in diesem Genre massenweise bessere Filme gibt.

Rating:

★★★☆☆☆☆☆☆☆

Ein Kommentar zu “Sehnsüchtig (Wicker Park)

  1. klasse kritik!

    l’appartement ist mein lieblingsfilm! ich hatte ein paar wochen bevor sehnsüchtig ins kino kam ihn gesehen. als ich dann noch las wer cassel und bellucci ersetzt war ich echt enttäuscht.
    ich machte mir gedanken wie die us-version sein könnte und dachte gleich die machen bestimmt kein so gutes ende wie das original und ich wurde bestätigt. gerade das ende von l’appartement ist stark und wurde in sehnsüchtig völlig verhunzt.

    ich empfehle ganz klar l’appartement, weil in dieser version die menschlischen abgründe besser zu geltung kommen! 🙂

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