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Anatomie einer Entführung (The Clearing)

Anatomie einer Entführung - The Clearing

Anatomie einer Entführung ist die erste Regiearbeit von Pieter Jan Brugge, der bisher nur als Produzent (The Insider, Bulworth, Glory) in Erscheinung getreten ist. Und er wollte seinen Einstand hinter der Kamera besonders gut machen. Es war alles perfekt vorbereitet: Erstklassige Schauspieler: Robert Redford, Willem Dafoe und Helen Mirren, musikalische Untermalung von Craig Armstrong (u.a. Moulin Rouge) und mit der atmosphärischen Berglandschaft eine stimmungsvolle Location. Da er bereits ausgiebige Thriller-Erfahrung hat, erscheint die Idee, einen Entführungsthriller drehen zu wollen auch nicht wirklich dumm. Aber wir lernen eindrucksvoll, dass die Qualität eines Films sich nicht aus der Summe seiner Einzelteile ergibt.

Wayne (Robert Redford) und Eileen Hayes (Helen Mirren) spielen ein lange verheiratetes Ehepaar, dessen Liebe nahezu erloschen ist und die sich nicht viel zu sagen haben. Sie sind wohlhabend und leben in einem schönen Haus in einer guten Gegend. Als Wayne eines Tages auf dem Weg zur Arbeit ist, wird er in der Einfahrt von Arnold (Willem Dafoe) gestoppt und entführt. Er soll ihn zu seinen Auftraggebern bringen, die sich in einer Hütte in einem abgelegenen Wald befinden. Währenddessen durchlebt seine Frau eine schwere Zeit und hat das FBI im Haus. Die Entführer treten in Verhandlungen ein, die Geldübergabe wird geplant.

Für ein Drama bleiben aber auch alle Charaktere zu eindimensional, sie und ihre Schicksale sind einem nahezu egal, was einen nicht gerade mitleiden lässt.

Der Film ist ein Psychogramm, das sich in zwei Handlungsstränge teilt. Der eine handelt vom Spaziergang von Wayne und Arnold durch die Wälder und von deren Unterhaltungen über alltägliche Dinge. Wayne verhält sich dabei sehr clever und geht wie ein Psychologe an die Sache heran und man merkt, dass Arnold ein Anfänger ist. Der zweite Strang handelt von der Familie von Wayne, wie sie das Entführungsdrama erlebt und sich mit der Polizei auseinander setzt. Man tut dem Film keinen Gefallen, wenn man ihn im Bereich der Thriller einordnet, denn dafür fehlt einfach jegliche Spannung. Für ein Drama bleiben aber auch alle Charaktere zu eindimensional, sie und ihre Schicksale sind einem nahezu egal, was einen nicht gerade mitleiden lässt. Das liegt dann ärgerlicherweise nicht mal an der Qualität der Schauspieler, die dies eigentlich sehr wohl können und dies auch schon oft unter Beweis gestellt haben.

Eileen ist kalt wie eine Hundeschnauze, doch stets souverän und hält die Familie zusammen. Einzig als sie von der immer noch vorhandenen Affäre ihres Mannes erfährt zeigt sie Anzeichen von Emotionen. Bei Wayne ist nie ein Anzeichen von Panik zu sehen, routiniert, als wenn er jeden Tag entführt wird, spult er seine Konversation runter und versucht den Entführer argumentativ zu überzeugen. Beide Handlungsstränge bieten einfach zu viel Langeweile, als das sie mich fesseln könnten. Motive für die jeweiligen Handlungen werden allenfalls angedeutet und zu oft meinem Interpretationsspielraum überlassen. Insofern kann man sich wirklich nur darüber ärgern, was aus diesem Film geworden ist. Denn wie gesagt, die Summe der Einzelteile hätte einen deutlich besseren Film verdient.

Fazit: Langatmiger und zuweilen auch sehr langweiliges Entführungsdrama, das mich überraschend unberührt ließ. Hier wäre viel mehr drin gewesen. Einzig das Ende stimmt mich etwas versöhnlich.

Rating:

★★★★☆☆☆☆☆☆

Ein Kommentar zu “Anatomie einer Entführung (The Clearing)

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