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Mann unter Feuer (Man on Fire)

Mann unter Feuer (Man on Fire)

Im Schatten des großen Ridley Scott (Gladiator, Blade Runner, Alien) hat es der jüngere Bruder Tony Scott nicht leicht, obwohl er zwar weniger, teilweise aber richtig gute Filme wie zum Beispiel Spy Game oder True Romance gedreht hat. Man on Fire ist sein neuestes Werk und hat auf dem Papier eine Menge zu bieten. Als Hauptdarsteller steht Oscarpreisträger Denzel Washington parat, in den Nebenrollen sehen wir Christopher Walken, Dakota Fanning, Mickey Rourke und sogar J.Lo-Ehemann Marc Anthony. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Hollywood-Starautor Brian Helgeland (LA Confidential, Mystic River), insofern erwartete ich von dem Film im Vorfeld eine ganze Menge, wenn es sich denn auch nur um ein Rache-Epos handelt.

Creasy (Denzel Washington) ist ein Ex-CIA-Killer mit jahrelanger Erfahrung im Antiterror-Kampf und verzeiht sich Geschehnisse in seiner Vergangenheit nicht. So verschlägt es ihn zu seinem Freund Rayburn (Christopher Walken). Dieser organisiert dem Alkoholiker Creasy einen Job als Bodyguard für die Kleine Pita (Dakota Fanning). Zunächst ist sie Creasy lästig, doch mit der Zeit schließen die beiden eine innige Freundschaft und Creasy entwickelt sich zu einer Art Ersatzvater. Doch die Enführungswelle macht auch vor der kleinen Pita nicht halt und Creasy wird schwer verwundet. Kaum genesen macht er sich auf, die Täter im Dschungel Mexiko aufzutreiben. Dabei muss er erkennen, dass viele wichtige Personen in den Fall verstrickt sind. Auf die Schuldigen wartet eine uerbitterliche Strafe. Creasy ist unter Feuer.

So metzelt sich Creasy in bester Charles-Bronson-Manier durch den weiteren Film, um alle zu richten und zu foltern, die mit der Entführung auch nur entfernt zu tun haben.

Mir hätte der Film phänomenal gut gefallen, wenn Tony Scott nicht zwei entscheidende Fehler gemacht hätte. Die Story des Films ist viel zu dünn und beschränkt sich auf ein billiges Rachemotiv. Und wenn man diesen Fehler berücksichtigt ist der Film mit knapp 150 Minuten einfach viel zu lang um nicht zu sagen langatmig. Trotz der Länge des Films gab es aber etwas, dass ich schmerzlich vermisst habe: Die Vorgeschichte, die Creasy zu eben diesem gebrochenen, vom Alkohol gezeichneten Mann gemacht hat. So fällt es einem schwer, sein Handeln nachzuvollziehen und mit ihm zu leiden. Denn ansonsten stimmt fast alles, Scott nutzt ein paar interessante Filter, um Mexiko schmutziger darstellen zu lassen und auch die Schnitte in Musikvideooptik und sonstigen visuellen Spielereien geben dem Film einen interessanten, erfrischenden Look, der ihn von anderen abhebt.

Denzel Washington, dem die Rolle des gebrochenen, aber doch aufrechten und prinzipientreuen Mannes quasi auf dem Leib geschrieben ist, zeigt sich wieder von seiner besten Seite und ist immer präsent und ausdrucksstark. Ebenfalls herausragend, wie auch schon in Ich bin Sam, ist die kleine Dakota Fanning, die für ihr Alter schauspielerisch schon extrem weit ist. Vielleicht hat man es ein bisschen übertrieben, denn sie wirkt teilweise schon zu intelligent und weise für eine zehnjährige. Trotzdem haben mir gerade die Szenen zu Beginn des Films besonders gut gefallen, als sich Creasy und Pita näher kommen oder wenn Creasy und Rayburn darüber philosophieren, ob Gott ihnen wohl verzeihen wird.

Die zweite Hälfte des Films halte ich eher für die schlechtere. Hier bricht dann zwar die Action los, aber es wird dadurch auch alles unwirklicher. Ein Cop-Killer, der zahlreiche Elitekiller ausschaltet auf offener Straße und dabei kaum behelligt wird, mir fehlt da teilweise die Überzeugung. So metzelt sich Creasy in bester Charles-Bronson-Manier durch den weiteren Film, um alle zu richten und zu foltern, die mit der Entführung auch nur entfernt zu tun haben. Alles etwas fragwürdig, wenn auch zumindest emotional im Film nachvollziehbar. Auf jeden Fall nichts für zarte Gemüter. Am Ende findet Creasy dann aber für mich sehr überzeugend seine Art der Verzeihung, die sich in Liebe und Frieden zeigt.

Fazit: Etwas langatmiger Selbstjustizthriller mit dünner Story, der von seiner alternativen Optik und den mehr als überzeugenden Darstellern lebt.

Rating:

★★★★★★☆☆☆☆

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