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The Village

The Village

Filme vom Halb-Inder M. Night Shyamalan haben eines gemeinsam: Sie haben eine dichte Atmosphäre, eine tolle, stimmungsvolle Optik und ein überraschendes Ende. Der Regisseur ist davon inzwischen selbst schon etwas genervt, da seiner Meinung nach die Kinogänger sich zu wenig auf den Film an sich konzentrieren, sondern eher die ganze Zeit damit beschäftigt sind, die finale und entscheidende Plotwendung zu erraten. Und das ist – neben der irreführenden Werbekampagne des Verleihs – auch der entscheidende Haken, warum viele mit dem Film nicht so viel anfangen können. Denn The Village ist alles andere als ein Horror-Schocker, wie man versucht uns mit den Trailern glauben zu lassen.

Der Film handelt von einem abgelegenen Dorf am Ende des 19. Jahrhunderts, in dem die wenigen Einwohner in absolut friedlicher Atmosphäre wohnen und zwar ohne technologischen Fortschritt. Wären nicht die Unaussprechlichen, die in den tiefen Wäldern hausen, die das Dorf umgeben. Der Rat der Dorfältesten hat aber ein Gentleman-Agrement mit den bösartigen Kreaturen geschlossen, das eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Monster ermöglicht. Niemand betritt den Wald, die Farbe rot ist im Dorf tabu, da die Monster diese nicht mögen. Die ältesten Kinder, allen voran Lucius Hunt (Joaquin Phoenix) wollen wissen, was sich hinter den Grenzen des Waldes befindet. Als ein Freund zu Tode kommt bittet er um Erlaubnis, den Wald zu durchschreiten und Hilfe zu holen. Die Ältesten unter der Führung von Edward Walker (William Hurt) lassen ihn nicht gewähren. Doch der Wunsch bleibt in Lucius’ Herz. Doch schnell überschlagen sich die Ereignisse, die Grenze zum Wald wird überschritten, die Unaussprechlichen tauchen im Dorf auf und es fließt die verbotene Farbe.

Es dreht sich um zentrale Fragen, wie weit man die Verantwortung für andere übernehmen kann und wie weit man sie einengen darf, auch wenn man nur ihr Wohl im Auge hat.

Wir erleben in The Village eine Dorfgemeinschaft, die zusammen in Frieden lebt und sich daran erfreut, lieb gewonnene Menschen um sich zu haben und ein ruhiges, glückliches Leben zu führen. Es gibt keine Gewalt, keine Verbrechen und kein Geld. Die Angst vor den bösen Kreaturen im düsteren Wald schützt die Bewohner vor der Außenwelt und hält die Gemeinschaft zusammen. Aber es ist nicht alles so gut, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Es gibt viele unterdrückte Wünsche und Bedürfnisse, wie zum Beispiel die von Lucius, der die Welt hinter den Wäldern entdecken möchte oder die von Edward Walker, der mehr als bloße Zuneigung für die verwitwete Mutter von Lucius (Sigourney Weaver) empfindet. „Manchmal tun wir Dinge nicht, die wir eigentlich tun wollen, damit andere nicht wissen, dass wir sie gerne tun würden“ sagt die Blinde Ivy (überragend: Bryce Dallas Howard) und sie sieht damit klarer als alle anderen Bürger im Dorf.

Es geht in The Village nicht um Horror, sondern um Opferbereitschaft, Liebe, Ethik und große Verantwortungen. Es dreht sich um zentrale Fragen, wie weit man die Verantwortung für andere übernehmen kann und wie weit man sie einengen darf, auch wenn man nur ihr Wohl im Auge hat. Dabei kann man interessante Parallelen zu aktuellen politischen Situationen ziehen. Kein Wunder, schrieb Shyamalan sein Drehbuch unter den Eindrücken der Geschehnisse nach dem 11. September. Hier mehr zu erzählen, würde dann aber entscheidende Stellen des Films verraten.

Vorwerfen kann man Shyamalan dabei sicher, dass die von vielen so herbeigesehnte Plotwendung zum Ende arg konstruiert und vorhersehbar ist und lange nicht so gut zündet wie zum Beispiel in den Vorgängerwerken Sixth Sense oder Unbreakable. Dafür wird man im Kino mit einer exzellenten Optik und wirklich glänzenden Schauspielern belohnt. Allen voran Bryce Dallas Howard als blinde Ivy, Joaquin Phoenix als Lucius und dem geistig zurückgeblieben Noah Percy (Oscar-Preisträger Adrian Brody). Auch in den Nebenrollen sind große Namen vertreten wie William Hurt und Siguerney Weaver, die ihre Arbeit gut machen, aber einfach zu kleine Rollen haben, um wirklich zeigen zu können was sie drauf haben.

Die Optik ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Düstere Braun- und Grautöne im Dort und der karge Wald erzeugen eine dichte Atmosphäre und gerade der eher dezente, subtile Einsatz von Grusel sorgt für den einen oder anderen Schrecken. Farben spielen immer dann eine große Rolle, wenn es um die Signalfarben gelb und rot im Film geht. Gelb als ruhige Farbe, die vor den Kreaturen schützt und rot als die Farbe des Bösen, die bei Shyamalan schon Symbolkraft hat. Umso erschreckender, wenn man das erste Mal das rote Gewand eines Monsters durch das Bild huschen sieht.

Fazit: Shyamalan hat es wieder geschafft, einen handwerklich und erzähltechnisch exzellenten Film mit teilweise überragenden Schauspielern in die Kinos zu bringen, der aber sehr mit der von ihm selbst hochgelegten Latte zu kämpfen hat. Vielleicht sollte er mal davon weg gehen, am Ende eine Überraschung für die Zuschauer einzubauen, The Village hätte es denke ich nicht geschadet.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

Ein Kommentar zu “The Village

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