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Männer wie wir

Männer wie wir

Das deutsche Kino hat ein Problem, das es einfach nicht in den Griff bekommt. Abseits von Komödien und Filmen über die deutsche Geschichte gibt es nur selten andere Versuche, dabei gibt es auch hier positive Beispiele aus der Vergangenheit, wie zum Beispiel das Experiment, Lola Rennt oder kürzlich Gegen die Wand. Aber dieser Sommer steht mal wieder im Zeichen der Komödie. Sommersturm, Kleinruppin Forever und jetzt Männer wie wir. Als wäre es unbedingt nötig gewesen, noch eine Komödie zum Thema Schwule ins Kino zu bringen.

Zur Story. Im münsterländischen Boldrup spielt der ortsansässige SC um den Aufstieg in die Fußball-Kreisliga. Ecki (Maximilian Brückner) ist als Torwart der Held des Teams bis er den entscheidenden Elfmeter nicht hält und der Aufstieg versaut ist. Als dann auch noch rauskommt, dass er nicht auf die hübsche Cordula steht, sondern eher auf seine eigenen Mitspieler, wird er aus dem Team geworfen, denn mit einem Schwulen will niemand spielen. Der lässt ja auch eher mal einen rein, so der Vorwurf der Ruhrpott-Asseln. Für seine Eltern bricht eine Welt zusammen und für Ecki steht die Rache bevor. Er will vier Wochen später mit einem Schwulenteam gegen seine Ex-Kollegen antreten, um Ruhm und Ehre. Also macht sich Ecki auf nach Dortmund, um sein Team zusammen zu stellen und für die große Schlacht zu trainieren.

Es wird absolut kein Klischee ausgelassen.

Männer wie wir bedient sich dreist vieler anderer Filme und macht leider alles schlechter als die großen Vorbilder. Die Rolle des Trainer Rolf Zacher erinnert an John Candy in Cool Runnings und das Grundthema ist auch nicht neu. Bereits im Jahr 2000 wurde mit Iron Ladies ein Film über eine schwule Volleyballmannschaft gedreht, der darüber hinaus auch recht gut ankam. Aber kein Wunder, Autor Gollhardt liefert sonst auch eher den Stoff für Fernsehkrimis. Auch Regisseurin Sherry Hormann hat neben zahlreichen TV-Produktionen nur die 1996 halbwegs erfolgreiche Beziehungskomödie Irren ist männlich vorzuweisen.

Der Rest ist schnell erzählt. Über die gesamte Laufzeit gibt man sich Mühe die peinlich-platten Schwulenwitze zu ertragen, über die ich in der Grundschule schon nicht mehr schmunzeln konnte. Die komplette Darstellerriege könnte vielleicht einer “Polizeiruf 110″-Folge etwas Profil geben, im Kino haben die Leute nicht wirklich etwas verloren. Es wird ihnen ja auch nicht viel abverlangt – zu wenig Spielraum bekommen die einzelnen Figuren, es darf ja nicht zu viel Zeit bis zur nächsten Zote vergehen.

Es wird absolut kein Klischee ausgelassen. Für die armen Eltern bricht natürlich eine Welt zusammen, vom Dorf geächtet halten sie am Ende zu ihrem Sohnemann. Der harte Ruhrpott-Arbeiter versteckt seine schwule Seite vor seinen Kumpels und gibt den starken Mann, um später den Tränen nahe als Obersoftie sein Coming Out zu haben. Lack, Leder, Dildos, Ohrenringe – der Albtraum vieler Heteros wird hier bis auf dass Äußerte zelebriert. Wo andere Filme es schaffen, Witze über Homosexualität mit einem Augenzwinkern zu präsentieren versagt Männer wie wir auf der ganzen Linie und ist einfach nur platt und arm. Zugegeben, das Ende ist dann etwas versöhnlich aber auch ebenso vorhersehbar.

Fazit: Ein bedauernswertes Stück deutsches Kino, dass besser zwischen Und tschüss auf Mallorca und Wiederholungen der Lederhosen-Streifen auf RTL gepasst hätte.

Note: Schon während der Schulzeit musste ich bitter erfahren, dass man das gesamte Notenspektrum ausschöpfen kann. Da der Film für mich absolut ungenügend war, bekommt er auch die verdiente Note, mit einem kleinen Plus, da er zum Ende hin etwas besser wurde.

Rating:

★☆☆☆☆☆☆☆☆☆

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