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Kleinruppin Forever

Kleinruppin forever

In Zeiten wo Bürger aus Ost und West gemeinsam auf die Straße gehen, um ihren Unmut über die aktuelle politische Lage kund zu tun, haben Filme Hochkonjunktur, die zu der Zeit spielen, wo die Mauer noch zu war, Gewürzgurken aus dem Spreewald kamen und man im Westen müde über das Ost-TV gelacht hat. Kein Wunder, Good Bye Lenin war ein riesiger Erfolg und daran versucht man anzuknüpfen. Nach Die Datsche ist Kleinruppin Forever bereits der zweite Film von Carsten Fiebeler zu diesem Thema. Der Trailer war teilweise recht lustig, im Kino hätte ich ihn vermutlich normal nicht gesehen – wenn er denn nicht als Sneak Preview gelaufen wäre.

Vier Jahre vor dem Fall der Mauer hat der 19järhige Tim in Bremen alles was man sich in dem Alter wünschen kann: reiche Eltern, ein Stipendium für die USA, einen begnadeten Top-Spin und Frauen, die ihn anhimmeln. Bevor es jedoch Richtung Florida geht steht noch ein Schulausflug in die DDR an, nach Kleinruppin. Dies ist zugleich Tims Heimatort, wo seine Eltern tödlich verunglückten. Dort wohnt noch sein Zwillingsbruder Robbie. Dieser schlägt Tim K.O. und nimmt Tims Platz auf der Rückreise ein und führt ein Leben in Saus und Braus im Westen. Tim ist in der verhassten DDR gestrandet, verfolgt vom System, ein paar “Spackos” und einem tristen, grauen Alltag. Doch dieses grau wird bald durch viele schöne Farben ersetzt, als er die hübsche Jana kennen lernt. Bald muss er sich entscheiden: Zurück in den Westen oder hinter dem Eisernen Vorhang bleiben.

Der Film hat durchaus seine lustigen Momente, aber die ganze Zeit kommt in einem ein ähnliches Gefühl wie bei Wessi Tim auf: Man kennt alles schon irgendwie.

Wer erwartet hat, dass Kleinruppin Forever ein paar neue Impulse und Ideen ins Kino bringt, der wird ziemlich enttäuscht das Kino verlassen. Der Film hat durchaus seine lustigen Momente, aber die ganze Zeit kommt in einem ein ähnliches Gefühl wie bei Wessi Tim auf: Man kennt alles schon irgendwie. Dabei hätte die Prämisse des Films durchaus Raum für mehr Tiefe gegeben. Ein angehender Kapitalist, der auf einmal im sozialistischen System fest hängt und Lacoste-Hemden gegen Batik-Druck sowie Poolparties mit Prosecco gegen FFK-Party am Lagerfeuer eintauschen muss – Regisseur Fiebeler zeigt allenfalls Ansätze und verlässt sich dann auf altbekannte Gags. Und genau das ist der Grund, warum er mindestens eine ganze Klasse unter Good Bye Lenin bleibt.

Dabei ist der Film eigentlich durchaus gut besetzt. Tobias Schenke in seiner Doppelrolle als Tim und Robbie kommt zwar nicht ganz an seine Rolle aus Der letzte Lude heran, mimt aber überzeugend den aalglatten West-Popper. Viele Kritiker vergleichen Jana alias Anna Brüggemann mit der aus Lost in Translation bekannten Scarlett Johansson, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Die junge Frau, die im Kino neben mir saß, hatte durchaus mehr Ähnlichkeit mit dem schönen Hollywoodstar als die deutsche Schauspielerin mit der Dolly-Buster-Gedächntnis-Locke es hat, aber ich schweife ab. Auch sie überzeugte mich als gutherziges Ost-Mauerblümchen. Der Rest passt ebenfalls in den relativ platten Plot, hervor zu heben wäre noch Michael Gwisdek alias Erwin, der auch schon in Good Bye Lenin dabei war.

Was bleibt ist eine relativ platte, aber durchaus manchmal witzige Komödie, die als eine Mischung aus Good Bye Lenin, Freaky Friday und La Boum daher kommt.

Fazit: Mehr als einen DDR-Film braucht man eigentlich nicht zu schauen, um die gängigen Gags zu kennen. Da Good Bye Lenin hier immer noch die erste Wahl ist, gibt es eigentlich keinen weiteren Grund, sich Kleinruppin Forever anzuschauen.

Rating:

★★★★☆☆☆☆☆☆

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