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Fahrenheit 9/11

Fahrenheit 9/11

Michael Moores Abrechnung mit George W. Bush namens Fahrenheit 9/11 wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und durchbrach in den Staaten die für “Dokumentationen” magische Grenze von 100 Millionen US-Dollar Einspielergebnis. Dabei liefert Moore keine nüchterne Dokumentation ab, die wohl auch niemand ernsthaft erwartet hätte, sondern zeigt uns ein Drama in vielen Akten, das einen US-Präsidenten zeigt, der laut Moore überfordert, inkompetent und unehrlich sein Land regiert und es unter einem falschen Vorwand in einen Krieg schickt, der vor allem die eigenen Interessen befriedigt. Bittere Propaganda sagen die einen, ein Weckruf zur richtigen Zeit andere. Unberührt lässt der Film dabei kaum jemanden, in sämtlichen Medien wird heftig über den Film und die dort berichteten Fakten diskutiert.

Zu Beginn erfahren wir, wie die Wahl 2001 ablief und dass Bush damals zu Unrecht an die Macht kam, zumindest stellt es Moore so dar. Wir erleben noch einmal die bittere Terror-Katastrophe in New York, die Moore clever inszeniert. Das Bild bleibt dabei komplett schwarz und man hört nur die Menschen schreien, dumpfe Einschläge und Explosionen und als nächstes sieht man fliegende Papierfetzen im Himmel von New York. Da wir die Bilder dieser Katastrophe so oft gesehen haben, wirkt diese Szene umso intensiver.

Bei seinem Kreuzzug gegen den Cowboy aus Texas bedient sich Moore teilweise doch recht zweifelhafter Methoden.

Wir erfahren, wie tief die Bush-Familie mit der Bin-Laden-Familie verbunden ist. Uns wird suggeriert, das die Katastrophe vermeidbar gewesen wäre und das Bush das Land in ein Krieg gegen den Irak führte und dabei ganz andere Interessen verfolgte, als einen Terroristen zur Strecke zu bringen oder Massenvernichtungswaffen zu finden. Das die Regierung um Präsident Bush die Angst vor Terroranschlägen ausgenutzt hat, um Gesetze durchzuboxen, die Grundrechte der Bevölkerung einschränken, natürlich nur zum Wohle des Volkes. Und für all dies gibt es nur einen Hauptverantwortlichen für Michael Moore: George W. Bush, dessen Wiederwahl unbedingt verhindert werden muss.

Bei seinem Kreuzzug gegen den Cowboy aus Texas bedient sich Moore teilweise doch recht zweifelhafter Methoden. Wenn er für eine Behauptung keine Fakten und Beweise hat, stellt Moore eine Suggestivfrage in den Raum und legt damit dem weniger informierten Zuschauer die Antwort quasi in den Mund. Er wirft mit extrem vielen Zahlen und Namen um sich, man verliert leicht den Überblick und glaubt sofort an eine Verstrickung. In einigen Szenen macht er es sich zu einfach, wenn er zum Beispiel Bush minutenlang in der Schule bei den Kindern mit einem Buch zeigt und ihn so als taten- und ratlos darstellt. Teilweise hätte auch ein Abrutschen in die Polemik vermieden werden können.

Aber Fahrenheit hat auch sehr viele interessante und berührende Momente. So zum Beispiel die überzeugte Patriotin, die vor dem Capitol fast zusammenbricht. Sie hat im Irak ihren Sohn verloren und realisiert, wie unsinnig und unnötig sein Tot eigentlich war. Die schockierenden Bilder aus dem Irak, die die amerikanische Regierung gerne für immer unter Verschluss hätte oder viele wirklich mehr als merkwürdige Ereignisse und Entscheidungen, die einen einfach erschüttern und teilweise am Verstand gewisser Leute zweifeln lassen. Im Gegensatz zu Bowling for Columbine hält sich Moore selbst mehr im Hintergrund, hat aber trotzdem seine gelungenen Auftritte, wenn er zum Beispiel in einem kleinen Eismobil per Lautsprecher den US Patriot Act für die Abgeordneten vorliest.

Fazit: Ansprechende, teils erschütternde “Dokumentation” bei denen Moore sich gerne der Methoden derer bedient, die er so vehement anprangert. Trotzdem auch für Europäer ein interessantes Stück Kino. Ich persönlich rate dazu auch andere Quellen zu der Thematik zu lesen, einfach um nicht nur eine Seite der Medaille zu sehen.

Rating:

★★★★★★★★☆☆