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Irréversible

Irréversible

Von Zeit zu Zeit gibt es Filme, über die man spricht. Nicht unbedingt, weil sie von so überaus großer Qualität sind, sondern weil sie Grenzen überschreiten, die andere nicht mal versuchen anzukratzen. Der in Frankreich lebende Skandalfilmer Caspar Noé (Der Menschenfeind) ist mit Irreversible so ein Werk gelungen, dass Kritiker als sadistisches, voyeuristisches Schmuddelkino abspeisen können oder als provozierenden Kunstversuch loben können. Auf jeden Fall bleibt man geschockt nach dem Film zurück, denn Irreversible überschreitet nicht nur einmal die Grenze des eigentlich normal ertragbaren.

Alex (Monica Belucci) und ihr Partner Marcus (Vincent Cassell) besuchen eine Party. Ebenfalls dabei ist Alex Exfreund Pierre (Albert Dupontel). Dort gibt es einen eigentlich harmlosen Streit, der dazu führt, dass Alex vorzeitig die Party verlässt. Auf dem Heimweg wird sie Opfer einer brutalen Vergewaltigung und wird anschließend extrem misshandelt. Als Marcus und Pierre später Alex sehen, wie sie abtransportiert wird, dreht Marcus durch und will unbedingt den Schuldigen zur Rechenschaft ziehen. Wie von Sinnen zieht er los in die Schwulenszene, um dort den Täter zu finden. Diesen findet er schlussendlich im Club “Rektum”.

Caspar Noè erzählt den Film nicht auf herkömmliche Weise, sondern bedient sich einer Technik, die schon Christopher Nolan in Memento anwendete: Er erzählt den Film rückwärts und teilt das Ganze in etwa ein Dutzend Kapitel ein, die jeweils einige Minuten gehen. Dabei benutzt er zu Beginn (also dem Ende des Filmes) eine verstörende Optik (Farbfilter, wackelnde Kamera), die den Kontrollverlust von Marcus symbolisieren sollen. Je länger der Film dauert, desto ruhiger und angenehmer wird das Bild dabei. Gerade am Anfang, wo man noch nicht merkt, worum es eigentlich geht verwirren die merkwürdigen Bilder und erzeugen ein beklemmendes Gefühl.

Wie schon zu Beginn angedeutet übertritt der Film Grenzen.

Wie schon zu Beginn angedeutet übertritt der Film Grenzen. Es wurde berichtet, dass viele Zuschauer Kinos verließen, was man durchaus verstehen kann. Gerade die erste halbe bis dreiviertel Stunde ist wirklich extrem hart. Angefangen bei den Szenen im Schwulenclub bis hin zur brutalen Vergewaltigung, die in epischer Breite und Brutalität gezeigt wird inkl. der nachträglichen Misshandlung. Es fällt einem schwer sich dabei noch einzureden, dass es sich nur um einen Film handelt und es sei auch die Frage erlaubt, ob man wirklich so weit gehen muss. Ist dies für die Handlung und Beweggründe des Filmes nötig oder wird hier Gewalt um der Gewalt Willen zelebriert, um dies werbewirksam auszuschlachten. Dies sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Schauspielerisch bieten Monica Belucci und Vincent Cassell wirklich überaus gute Leistungen, die gerade dann zum Ende des Filmes zeigen können, was in ihnen steckt. Der Film schlägt hier eher einen ruhigeren Ton an und verlässt sich auch auf die beiden Darsteller. Auch die Dialoge sind teilweise wirklich gut gemacht, z.B. wenn die drei Freunde sich über Alex Orgasmen unterhalten. Pierre will unbedingt wissen, ob sie nun bei Marcus wirklich einen hat und wie er das anstellt. Dieser Dialog zieht mehrere Minuten hin, ohne dabei zu langweilen.

Fazit: Schockierendes Gewaltkino, dass sich abseits der Grenzen des zumutbaren Geschmacks bewegt. Man kann dem Film aber einen gewissen künstlerischen Faktor nicht absprechen und so bleibt es dann eine Sache des eigenen Geschmacks, ob man sich auf so etwas einlassen mag. Vielen wird es den Magen umdrehen und diese verstört zurück lassen.

Rating:

★★★★★★☆☆☆☆

2 Kommentare zu “Irréversible

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