Skip to main content

Lost in Translation

Lost in Translation

Es ist schon nicht einfach in einer großen Hollywood-Familie aufzuwachsen. Sofia Coppola hat mit Francis-Ford einen übermächtigen Vater und mit Nicolas Cage einen ebenso bekannten Cousin. Der Weg nach Hollywood war quasi vorgezeichnet mit ersten Rollen in der Paten-Trilogie. 1999 gab sie mit The Virgin Suicides ihr Regie-Debüt, um vier Jahre später mit eben Lost in Translation drei Oscar-Nominierungen (als erste Amerikanerin für den Regie-Oscar nominiert) und schlussendlich den Oscar für das beste Drehbuch zu bekommen. Und damit hat sie gezeigt, dass sie eine großartige Regisseurin und Autorin ist, die eben nicht nur vom großen Nachnamen lebt.

Bob Harris (Bill Murray – Und täglich grüßt das Murmeltier) ist ein Filmstar, der sich nach Tokio begibt, um dort für viel Geld einen Werbespot für Whiskey zu drehen. Er ist seit 25 Jahren verheiratet und läuft inzwischen eher vor seiner Familie davon und hasst sich selbst dafür, dass er für Geld solche Aufträge annimmt. Charlotte (Scarlett Johansson – Der Pferdeflüsterer) spielt Charlotte, die ihren Ehemann John (Giovanni Ribisi – Nur noch 60 Sekunden), einen bekannten Fotografen, ebenfalls in die Welt-Metropole begleitet. Er geht in seiner Arbeit auf und vernachlässigt eher ungewollt seine junge Frau. Obwohl fast 30 Jahre zwischen Bob und Charlotte liegen verbindet sie etwas: Sie sind allein und einsam in einer fremden Welt, die sie nicht verstehen und in der sie sich nicht auskennen. Beide können nicht schlafen, klicken sich durch das monotone TV-Programm und lernen sich nachts in der Hotelbar kennen. Der Beginn einer intensiven Freundschaft.

Wer jetzt denkt, dass das übliche Hollywood-Klischee abläuft und die beiden eine heiße Affäre beginnen, der irrt sich gewaltig, denn Sofia Coppola geht es um etwas ganz anderes. Die beiden blühen richtig auf, wenn sie sich endlich unterhalten können, da diese Gespräche eben beide aus einer monotonen, fremden, gleichzeitig langweiligen und frustrierenden Welt reißen. Sie ziehen durch das anonyme und glitzernde Tokio, besuchen Karaoke- und Drogenparties und landen immer wieder in der Hotelbar. Die beiden verstehen sich einfach und sie reden miteinander, wie man eigentlich nur mit einem Fremden reden kann. Trotz aller Distanz sind es die kleinen Berührungen und zwischenmenschlichen Momente, die die besondere Beziehung der beiden beschreibt.

Trotz aller Distanz sind es die kleinen Berührungen und zwischenmenschlichen Momente, die die besondere Beziehung der beiden beschreibt.

Für Bill Murray ist Bob die Rolle seines Lebens. Bob ist ein teils sarkastischer aber durchaus gutherziger Mensch. Er kann andere mitreißen und begeistern, wenn er denn nur will. Er führt seine Ehe aus Gewohnheit, die Beziehung zwischen ihm und seiner Frau ist extrem abgekühlt, aber er liebt seine Kinder. Er kann nicht mehr mit ihr reden, da sie für ihn kein offenes Ohr hat. “Muss ich mir Sorgen um dich machen, Bob?” fragt sie ihn in einem Telefonat und er entgegnet trocken “Nur wenn du magst.” Und sie mag es eben nicht, weil er sie mit den Kindern allein zu Hause lässt. Und Charlotte ist eben genau diese Person, die zu hören mag. Charlotte selbst ist sich nicht mehr sicher, warum sie überhaupt ihren Mann geheiratet hat. Als sie zu Hause in Amerika anruft, um sich mit einer Freundin auszusprechen hört diese – im Gegensatz zu Bob – nicht richtig zu. Sie denkt über den Sinn des Lebens nach und unterstellt Bob eine Midlife-Crisis, doch eigentlich ist sie selbst eher davon betroffen. Beide haben sich gesucht und gefunden, jedoch wirklich absolut zufällig. Es begann mit einem Lächeln im Fahrstuhl und endet ebenso unverfangen.

Als Bob, nachdem er schon viel länger in Tokio geblieben ist, als er eigentlich wollte, wieder zurück reist, gibt es diesen einen herzlichen Kuss zwischen ihm und Charlotte. Er nimmt sie in den Arm und flüstert ihr etwas ins Ohr. Etwas, das wir nicht hören sollen. Und genau das ist wieder einer dieser Momente, die diesen Film auszeichnen.

Fazit: Emotionales und durchaus witziges Kino. Zwei verlorene Seelen in einer fremden Welt, die sich gesucht und gefunden haben und faszinierende Momente gemeinsam erleben. Die beiden gehen auseinander, ohne sich vielleicht je wieder zu sehen, aber dies ist nicht wichtig, denn es verbindet sie viele schöne Erlebnisse und Gespräche. Handwerklich exzellent inszeniert laufen die beiden Hauptdarsteller zur Hochform auf und versprühen viel Gefühl.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

Kommentar verfassen