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Situationskomik

Heute war wieder einer dieser Freitage, wie sie leider viel zu oft vorkommen. Sie beginnen typischer Weise mit Stress, es folgt Stress, unterbrochen von einer stressigen Mittagszeit, um sich dann mit einem stressigen Nachmittag abzulösen. Als cleveres Kerlchen entschied ich mich dazu, dem Stress zu entkommen und einfach den Einkauf von Samstag auf den Freitagnachmittag vorzulegen, eben damit der Samstag weniger stressig wird. Überraschender Weise bin ich nicht der einzige clevere Kerl in meinen Breitengeraden, am Parkplatz des Supermarktes angekommen stellte ich fest, dass noch mehr Leute diese glänzende Idee hatten.

Ich fand aber dennoch einen Parkplatz, der zwar meilenweit vom Eingang entfernt war, aber immerhin einen Einkaufswagen-Abstellplatz direkt neben meiner Parkgelegenheit parat hielt. Ich dackelte also los mit meinem Zettelchen in der Hand und erledigte meinen Einkauf. Nach der Bezahlung schoss mir beim Blick nach draußen als erstes „SCHEIß IDEE“ durch den Kopf, denn es regnete Katzen und Hunde, wie die Engländer zu sagen pflegen. Ich entschloss mich, zunächst meine Einkäufe in die lustigen braunen Tüten mit dem grünen Marktkauf-Gesicht zu verstauen. Inzwischen regnete es nicht mehr Katzen und Hunde, sondern – um in der Terminologie zu bleiben – Elefanten und Walrösser. Ich legte noch einen Stopp beim Bäcker ein und draußen waren wir dann bei T-Rex und Brontosauriern angekommen.

„Sei keine Memme“ dachte ich noch und rannte Richtung Auto, denn es schien kein Stück besser zu werden. Ich war richtig schnell, ich hatte fast so komische Schlieren hinter mir wie der rote Blitz (Ok, vielleicht eher Kugelblitz) aber ich war nicht schnell genug, um unter dem Regen durchzulaufen. Wenn ich eine Frisur hätte, hätte ich vermutlich am Auto meine Mähne durch die Gegend gewedelt, wie es fiese Hunde in diversen Komödien zu tun pflegen. Wenigstens hatte ich keinen langen Weg, um meinen Einkaufswagen wegzubringen.

Mein Einkauf war fast erledigt und ich inzwischen ebenso nass wie gleichgültig.

Da ich in meinem Auto dank der beschlagenen Scheiben nichts sehen konnte wurde mir schnell bewusst, dass meine Klimaanlage offenbar defekt ist. Das fehlte mir noch (Aktennotiz an mich selbst: Montag in der Werkstatt anrufen) Nun war Getränke-Holen angesagt. Der Regen prasselte nach wie vor. Zuletzt sah ich so was im Kino beim Trailer von „The day after tomorrow“. Inzwischen war es mir aber egal. So hüpfte ich mit den leeren Kisten wie Pippi Langstrumpf in den Laden und erledigten den Einkauf und hüpfte ebenso elegant zurück und intonierte „it’s raining man“ zum Ärger von Geri Halliwell (denn ihre Version war ein Dreck gegen mich) und zur Belustigung der anderen Einkäufer, die alle eins gemein hatten: Einen riesigen Regenschirm. Diese waren wenigstens groß genug, damit mir deren runter laufendes Wasser in den Nacken lief. Mein Einkauf war fast erledigt und ich inzwischen ebenso nass wie gleichgültig.

Mein letzter Gang führte mich in den Blumenladen, der offenbar nicht so gut besucht war heute. Ich betrat immer noch stark tropfend den Laden und wurde mit einem freundlichen „Sagen sie mal, regnet es draußen?“ begrüßt. Ich muss gestehen, ich war echt sprachlos. Nein sprachlos ist das falsche Wort, mir fiel wirklich absolut nichts ein. Da war eine Leere, die man höchstens von schwarzen Löchern kennt. Mir blieb nichts anderes übrig als lauthals zu lachen. Neben meinem Blumenstrauß kaufte ich noch eine Blume und gab sie der Verkäuferin „hier, weil sie mich zum Lachen gebracht haben“. Nun war sie sprachlos. Schön das.

2 Kommentare zu “Situationskomik

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